Mittwoch, 7. Mai 2003

heute früh ist mein Fön explodiert.
1200 Watt haben sich, mit kleinen Funken und dem Geruch nach verbrannter Plastik und geschmolzenen Drähten, in die ewige Untauglichkeit verabschiedet - wird es denn niemals enden?!
Ich kenne das Spiel, als Stamm-User von Braun-Föns: man kann - selbst mit Fingern, die schon manchen entzündeten Blinddarm dem matschigen Dunkel fetter Bauchhöhlen entwunden haben - die verdammte Schraube nicht lösen, die das Kunststoffteil zusammenhält, um ein neues Kabel einzulegen; dazu wäre ein dreizackiger Spezial-Schraubendreher nötig, den (aus Sicherheitsgründen? aus Profitinteresse? das weiß Braun allein) nur geheime Oberfönräte besitzen, wenn überhaupt so ein Teil existiert. Also weg mit der ausgeblasenen Altlast.
Ich brauche einen Fön nicht länger, als eine halbe Minuten täglich - aber ich brauche ihn; ein Fön gehört einfach in ein gut sortiertes Badezimmer.
Ich habe eine Stunde gebraucht um festzustellen, daß der Mittelstand wirklich am Ende ist, möglicherweise auch mehr: es gibt hier kein gut bestücktes Fachgeschäft mehr, nur noch grelle, doofe Kettenläden, in denen grelle, doofe Haushaltsgeräte angeboten werden, in Pink, in Plastik-Silber, in Bi- oder Tri-Color-Optik (was ich besonders hasse), mit wuchtigen Aufsätzen mit 15 cm langen Gummifingern (wofür sind die denn?? für Brusthaartoupets?) und einem Energieverbrauch, mit dem ganze Stadtteile bekocht werden könnten. Schockierend. Was kommt danach? Gebläse aus Autowaschanlagen?
Ich habe entnervt (weg vom Schwarz - hin zum Kitsch) zu einem mild-lindgrünen Mittelklasse-Gerät (ohne Gummifinger-Aufsatz!) gegriffen, von Braun natürlich.
Weil ich dann einmal in der Stadt war - ich hasse Einkaufsbummel, ich hasse Kleiderläden - habe ich ein Schuhgeschäft (weg vom Slipper - hin zum klassischen Schnürschuh) und ein Geschäft für Oberbekleidung (weg von Jeansgröße 31/34 - hin zu 33/34 ) quasi aufgekauft.
Jetzt bin ich definitiv davon überzeugt, daß es männliche Wechseljahre, Frust-Einkäufe, private Überschuldung und dergleichen nicht nur in Lehrbüchern für Verbraucherschützer, Endokrinologen und Drogen-Beauftragte gibt - Beauftragte; auch so eine teutsche Wortpeitsche, bei der ich mir nur mühsam impertinente Allusionen verkneifen kann.


UNTERTITEL
si tacuisses,
philosophus mansisses


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