Montag, 1. Februar 2010
the winds came, several heads became one

ja, die Haut sei rissig, der trockene Husten quäle viele, Augen, die überlaufen, Augen, die tränen, die Lippen wie verklebt. Seit einigen Monaten gehe das jetzt schon, die Stimmen und die Stimmung kippe; man solle endlich ...
Und wir gehen durch die völlig überheizten Räume, atmen den Mief aus den Lungen, den Achseln und den Gedärmen vieler, die kommen und gehen, übergelagert von seltsamen Gerüchen, suchen kurz und finden die billigen Plastikfläschchen mit "Raumlufterfrischern", den rosa-grünlichen, wahrscheinlich in Asien in Kinderarbeit zusammengepanschten, öligen Mist, undefiniert, nicht deklariert, der ohne jede Hemmung in Räumen verwendet wird, wo jeder verdammte Beistelltisch, jedes Sitzpolster, jeder Drucker mindestens drei Prüfsiegel tragen müssen, ökologisch einwandfrei, strahlungsarm, schwer entflammbar und all das Theater, finden schmuddelige Brühe in lächerlich unterdimensionierten "Luftbefeuchtern", finden Fenster, die seit Jahren nicht geöffnet wurden, finden ultraeffektive und ultra-überflüssige Desinfektionsmittel, die mal eben so in den Raum gepustet werden.
Und wir reden und führen Beweise, sprechen Gebote aus und machen Protokollnotizen, lassen lüften und lassen trinken, werfen die Augen gen Himmel und werfen Mist in den Müll.
Zwischen all den Zuständigen und Bedenkenträgern sitzt eine Frau im Hintergrund, eine von denen, um die es geht, still und bescheiden - ihr Thema ist nie gehört worden, sie hat nicht gesungen; sie ist untergegangen im Ansturm der Anspruchsteller und Querulanten.

Und ich höre meine Stimme, so routiniert und so abgestellt auf die banalen Themen, wie Textblöcke einer Hotline, und ich diffundiere durch meine Kleidung und durch die Wände des Raumes, des Gebäudes, gehe über den vereisten Schnee, mir selbst immer einen Schritt voraus, denn ich weiß, dass es mich gleich erwischen wird, die Müdigkeit wird mich hinwerfen, der Überdruss wird meinen Mund und meine Augen schließen.

Es sind wenige Stunden vergangen, seit ich Dich zuletzt geküsst habe, den Duft einer sehr verkürzten Nacht aus Deinem Schoß, aus Deinem Haar und von Deiner Haut aufgesogen habe, ganz gesättigt und trotzdem ahnend, dass ich schneller wieder hungern werde, als ich Dich treffen kann, taumelnd zwischen zwei Welten und immer irgendwo unterwegs, in einem Zug, in einem Auto, an einem Telefon.
Und ich ahne, was mir wenig später gesagt wird: wir hätten einen Ritus, ein Zeremoniell, in unsere Worte einbauen müssen, um es abzusichern, dieses ernsthafte Spiel.

UNTERTITEL
si tacuisses,
philosophus mansisses


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