Montag, 7. Juli 2008
Shopper & Popper
das Problem mit diesen online-Partnerbörsen ist: es ist so einfach, in Bild und Text Der oder Die zu sein, die man oder frau gerne wäre (oder gewesen wäre oder werden möchte).
Das Problem ist: ich zahle und glaube, ich bin bei Neckermann (oder im Asiatinnen-Versandkatalog).
Das Problem ist: die Romantik stirbt zuletzt (also wird sich niemand wundern, wenn frau im dritten Zyklus der Chemotherapie vollkommen überzeugend nach dem Traumann sucht, der mit ihr in die Zukunft reitet, die sie nicht mehr hat).
Das Problem ist: Männer, die in Wahrheit nur ein on-demand-Verhältnis auf dem Klinkenputzer-Weg zwischen Hückeswagen und Oldesloe suchen und Präservative mit Lakritzgeschmack pfiffig finden, sind plötzlich aalglatte, coole Schreibtischhengste in der Führungsetage.
Das Problem ist: ich darf im Schimmer meiner putzigen Purzel-Lampe, vor der ich vollfett im vergilbten Bademantel hocke, behaupten, ich sähe in High Heels noch besser aus, als im Tanga.
Das Problem ist: die Frauen, die sich ihrer durchschnittlichen Normalität (normalen Durchschnittlichkeit) bewußt sind, treffen auf Männer, die noch nie ihre Socken ohne Mutti angezogen haben, aber sich an der Pommesbude "Charlie" nennen lassen.
Das Problem mit diesen online-Partnerbörsen ist: ich kann meine Langeweile transportieren und Männer oder Frauen necken, die mich im realen Leben bestenfalls KEINES Blickes würdigen.
Das Problem mit diesen online-Partnerbörsen ist: da sind viele Vorurteilbestätiger aus Päd.- und Soz.-Berufen unterwegs, die sich über den Weltfrieden auslassen und wahrscheinlich noch im Bett jede Erektion wegdiskutieren können (male or female).
Das Problem mit den Partnerbörsen ist, dass da viele Leute mitspielen, die sich ihre bemühte Single-Freudlosigkeit so zugestellt haben - mit einem großen Kreis ebenfalls versingelter Freunde/Innen, die reihum ein Kaffeekränzchen schmeissen, mit ein bis zehn VHS-Kursen, mit drei Abenden Pflichtauftritten im Fitnesstudio, mit Hänsel und Gretel, Chorprobe, Friedensdemo, freiwilligem Zusatzwochenende bei der Caritas, Aufarbeitungstermin mit zwei Exlovern, Kuschelgruppe mit Latzhosen und dergleichen, wo sie alle unter sich sind, die keinen verdammten Abend mal ALLEIN sein können - dass man(n) da monatelang graben muss, um die eifersüchtige Riege der GralshüterInnen wenigstens so weit zu verbeissen, dass ein Fuß in die Tür paßt, um einen Abend frei zu räumen, um Platz zu schaffen, wo ein WIR wachsen könnte.
Die sind im Grunde so erschöpft vom Gejammer über ihr oft doch ganz bequemes Lebensprogramm und von der mitternächtlichen Stippvisite bei der Partnerbörse online, dass sie vor Schreck einnässen, wenn da jemand klingelt, der nicht aussieht wie eine Schüppe Würmer und hinsichtlich Altlasten und Vergangenheit entmilitarisierte Zone ist.
Wie war das noch, das mit den erfüllten Wünschen?
Aber abends Backstreet Boys hören, "Show me the meaning of being lonely".

Das Problem mit diesen online-Partnerbörsen ist: wer einen Prinzen sucht, muss viele Frösche küssen - ich kenne drei lebende tolle Menschen mit Grips und klaren Augen, die da ihre Spiegelbilder gefunden haben und ziemlich glücklich sind.

Auf dem Weg zu den Sternen ist man ohnehin allein.

honi soit qui mal y pense
last update: 2009-07-03 22:16
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docbuelle (2009-07-03 22:16)
dann legst Du...
wer sich auch schon mit tausend Tricks...
docbuelle (2009-07-01 23:45)
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"...endless summer lift the curse..."
docbuelle (2009-07-01 00:11)