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Sonntag, 27. April 2008
teach your children well
docbuelle
02:44h
Klasse(n)treffen.
Und plötzlich und nach 38 Jahren sind wir wieder da. Zuerst der Gang durch die alte Schule, kein großes weites Land mehr, sondern wie ein Faller-Häuschen, durch das die Riesen stapfen. Wir kennen noch unsere Namen, wir erinnern uns, wer wann wo gesessen hat, wir setzen uns auf die kleinen Stühle und lachen und werden dann still, als immer mehr Erinnerungen hochkommen und nicht nur gute. Wer ist damals mit wem gegangen? Wohin sind wir gegangen? Als was sind wir zurückgekommen? 70% von uns sind in sozialen Berufen gelandet, drei sind schon Großeltern, zwei fahren immer noch schwere Motorräder, einer erzieht vier Kinder allein, zwei haben ihre (und unsere) Klassenkameradinnen geheiratet, alle sind mindestens im privaten Rahmen künstlerisch-kreativ tätig. Keiner hat vergessen, niemand wird vergessen; noch in der Nacht rufen wir die an, die auf den Listen stehen und nicht kommen konnten, nicht kommen wollten. Wo bleibt ihr? Wir vermissen euch. Wir haben 13 Jahre Leben geteilt. Es sind schon so viele tot, und sie sind so früh gestorben. Da sitzen wir, mehrere Stunden lang, auf einfachen Holzstühlen einer Galerie, im Kreis, unterbrochen von ein paar Bissen Pizza, halten uns mitgebrachte Fotos vor, verblichenes Agfa-Rot, lila Farbsäume um Gesichter, halten kleine Zettel hoch, die durch unsere Kinderhände gegangen sind; unsere Stimmen noch mit einem Hauch von damals, unsere Augen glänzen, hinter den Furchen der Haut sehen wir uns, wie wir uns kannten. Zeit, reihum die Steckbriefe vorzulesen, zu raten, wer sich hinter den Lebensfragmenten verbirgt. Zeit, sich nach fast 40 Jahren zu entschuldigen für die Brutalität der Kinder, die wir waren. Zeit, sich zu bedanken für die kleinen, feinen Episoden von Solidarität. Zeit, über die Spuren von verbliebener Verbitterung ein paar Worte zu verlieren, mit der manche die Schulzeit überstanden haben; nicht alles war eurythmisch. Zeit, das kleine Brennen zu schlucken, das uns in der Kehle sitzt. Ihr wart die einzige Plattform, auf der ich tanzen konnte, die einzige Gemeinschaft, in der ich sicher war. Eine unserer Schönsten liest aus ihrem uralten Tagebuch vor: "O Gott, ich bin so verliebt - ich weiß selbst nicht, in wen. Aber ich ströme über vor Gefühlen, die ich jemand sagen will!" Und lachend behaupten alle, dass das heute noch genau so sei; und dann werden wir still und klopfen uns sanft auf den Rücken. Es soll keine Jahrzehnte mehr dauern, bis wir uns wieder treffen; drei Jahre könnte eine gute Pause dauern. Noch in der Nacht kommen die ersten e-mails herein, die von Aufgewühltheit und Nachhall und Dankbarkeit sprechen.
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"Honi soit qui mal y pense"
last update: 2008-12-02 15:57 status
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Saulus und Paulus
den ganzen Tag Magenschmerzen, psychogener Natur, denke... docbuelle (2008-12-02 15:57) |