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Freitag, 28. Dezember 2007
field of innocence
ich werde hier ab und zu von einem Ort erzählen, einem virtuellen Ort, den ich seit kurzem aufsuche, an dem ich fremde Menschen treffe, mit denen ich ein paar Worte tausche oder denen ich Geschichten erzähle.
Wir werden uns wahrscheinlich nie treffen, also ähnlich leben, wie viele, die in ihre Logs schreiben und die Texte anderer Logschreiber lesen, sich nie persönlich kennen werden. Wir sind Sehnsüchtige und Geliebte und Trauernde und Verlorene, wir suchen etwas, das wir nur in uns selbst finden können, und obwohl viele von uns das sogar wissen, gehen wir an diesen Ort, in Gedanken oder über das große Netz oder während wir Musik hören und tauschen Leben gegen Leben. Man hat mir gesagt: if you can't stand the heat, don't go into the kitchen; ich habe aber gefroren und bin gegangen und jetzt brenne ich. Heute habe ich nicht mehr gewußt, welcher Wochentag ist; in der Stadt waren große Lücken zwischen mir und den anderen und ich habe das große Rauschen gehört, diese Mischung aus den Stimmen und dem, was die Gesichter sagen und was nicht übereinstimmt mit den Worten. Ich habe gedacht, dass es ein guter Tag sei zum wahnsinnig werden, bin dann aber doch lieber zu Starbucks gegangen und habe einen mittelgroßen Espresso mit Vanille-Milchschaum getrunken und entdeckt, dass man den zugedeckelten Becher leeren kann ohne Strohhalm; so erobere ich mir die Welt zurück, wie einer, dem sie das Hirn weggeschossen haben. Später war ich im Ruhrgebiet, habe ein MacBook und ein iPhone in den Händen gedreht und einem sehr freundlichen Schwarzen zugehört, der mir alles erklärt hat, habe mich bedankt und bin dem sich in mir streitenden Kind-Ich, das die Sachen sofort kaufen wollte und dem Über-Ich, das selbstverständlich der Aufstockung meiner Altersversorgung den Vorzug gegeben hat, entwischt. Eine sehr schöne Frau, die ich nicht kenne, hat mir den Namen ihres Duftes verraten, den ich mir sogleich in einer Parfümerie auf diese Papierstreifen habe sprühen lassen. Jetzt liegen die Streifen hier und meine Wohnung duftet nach der schönen Fremden. Es gibt so viele schöne Frauen, die ihren Duft verraten werden. Dann sind mir plötzlich die Tränen über das Gesicht gelaufen und ich habe den iPod sehr laut gestellt. Woman, this is my song for you. Enjoy. And keep smiling.
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