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Dienstag, 17. Januar 2012
Callgirl
Gestern Abend auf eine Telefonumfrage zum Thema "Verbraucher-Verhalten" eingegangen, denn ich liebe es, mit ganz jungen Callcenter-Girls zu sprechen, die immer so gehetzt keuchen und ohnehin ihr ganzes Berufsleben darauf eingestellt sind, Absagen zu bekommen; ich lasse dann so meinen inneren Menschenfreund 'raushängen und antworte rasch und ganz lieb.
Es waren aber auch Fragen, die sich mir zwar im Zusammenhang nicht gänzlich erschlossen haben, die aber wahrscheinlich für die deutsche Wirtschaft und Politik wahnsinnig wichtige Entscheidungen möglich machen. Wann ich zuletzt einen Container für Bauschutt bestellt hätte? Wahrheitsgemässe Antwort: noch nie. Die sind mir zu teuer, und ich fahre lieber in den Wald und schütte da kleine Wälle gegen die grosse Flut auf. Wann ich zuletzt eine Autowerkstatt aufgesucht habe? Na, da hatte die Dame einen wunden Punkt berührt! Freitag, habe ich gebrüllt, Freitag, sogar zweimal! Wann ich zuletzt einen Anwalt gebraucht hätte? Noch nie, aber ich arbeite daran. Wann ich zuletzt im Reisebüro war, wer mir dazu Tips gegeben hätte, wann ich wieder mal verreisen wollte, wohin, gegen wen, mit welchen Motiven? Waren Sie mal im Elektrofachhandel, wissen Sie, was Grütze ist, wo würden sie Rosinenkuchen kaufen? Bevorzugen Sie eine bestimmte Apotheke, und wenn ja, wer hat Ihnen den Tip dazu gegeben? Das Internet, das Radio, eine Stimme aus dem Wasserhahn? Fühlen Sie sich durch die Gelbe Tonne unter Druck gesetzt? Welchen Preis würden Sie maximal für eine Blinddarmoperation bezahlen wollen? Spülen Sie Plastikmüll, bevor sie ihn auf die Strasse werfen? Sind Sie für oder gegen Süßstoff im Zucker? Und so ging es rasch vorwärts, die Dame war bald am Ende, und ich bin jetzt gespannt, wieviel Punkte ich bekommen habe und ob es eine Einladung zu einer verbilligten Kreuzfahrt gibt. Daumen halten! ... Link Montag, 16. Januar 2012
it's love's illusions I recall
Enge - aus der Undefinierbarkeit des betrachteten Verhaltens in der laufenden Beziehung, mangels konkreter eigener Erfahrung mit derartigen Abnormalitäten in meiner persönlichen Vergangenheit, verbunden mit einer nun ganz offensichtlich romantischen Haltung und naiven Ideen über die Unterschiede von Mann und Frau im Umgang mit Sexualität und Bezogenheit, haben sich starke Affekte entwickelt, Aufruhr und vor allem anderen eine große Angst vor dieser Frau und vor ihrem Tun, im Bewusstsein, dass Menschen sich (in grundlegenden Dingen) nie ändern.
Eine Frau, die zwei Ehen in den Sand setzt, nicht nur innerhalb der langjährigen Beziehung zwischen diesen Ehen den Kontakt mit anderen Männern sucht und kurz vor der ersten Nacht mit diesen Männern ihren Partner telefonisch über das Bevorstehende informiert, ohne weitere Konsequenzen die "alte" Verbindung fortsetzt, weil der Neue nur Schaum und Schlag war, sich dann wieder trennt, als sie einen sozial und beruflich höher stehenden Mann mit Adelstitel an die Angel kriegt, und bald und fortgesetzt mit diesem Mann gemeinsam eine "offene Ehe" führt mit abwechselnder Betreuung dreier Kleinkinder, die so nach und nach bei dem Treiben anfallen, mit höflichem Weiterreichen des Telefonhörers über den Familientisch, wenn der Anrufer der aktuelle Lover des anderen ist, unter Beibehaltung des innerehelichen sexuellen Austausches, der sich sogar, stimuliert durch die parallel laufenden Fremdverhältnisse, intensiviert; die neue Lust, den Schwanz ins Fremdsperma zu tauchen. Ausgang, wie vorhersehbar: die Frau kriegt von diversen Arschgeigen müde Nümmerchen und Geschwafel vom "Lichtorgasmus", bevor sie ganz rasch wieder auf die Strasse und in den Zug nach nirgendwo gesetzt wird, der Mann entdeckt bei einer seiner Gespielinnen, dass deren Oberweite deutlich größer und vor allem weniger vom Kinderstillen ausgelutscht und faltig ist, als bei der Mutter seiner Kinder, und nennt das Liebe und kassiert, bald wieder verheiratet, den Ortszuschlag mit der neuen Mutze. Gutsituiert alle, die die direkten Teilhaber des umtriebigen bunten Lebens waren, mit andern, neuen Pritschen versorgt, die sie aus deren Ehen 'rausgebrochen haben, immer so scheißfreundlich nach außen hin, unberührbare Existenzen, öffentlich bedienstet, politisch im Zeitgeist; ich werde dort hinterrücks zur Kenntnis genommen, mit milder Ironie nicht gegrüßt, ich bin der Nachfolger des Nachfolgers des Nachfolgers, letztlich wohl nicht einschätzbar für die teiggesichtigen Landeier und grotesken Späthippies, eine Art Resteverwerter und Entsorger der Folgen der Melodramen, mit denen sich feige und widerwärtige Möchtegern-Swinger die Nülle vergoldet und die innere Leere gefüllt haben. Die seelische Beschädigung der auf allen Seiten vorhandenen, insgesamt sechs, Kinder wird geleugnet bzw. als Kollateralschaden auf dem Weg zur sexuellen Selbstfindung in Kauf genommen, und ich erkenne, ohnmächtig vor Wut, dass das affektierte und leider sehr zerstörerische und Folgekosten-intensive Herumschlampen anspruchsvoller Oberschichtbürger heutzutage mit ebensolcher Gleichgültigkeit und völlig ohne Sanktionen hingenommen wird, wie kinderfickende Pfaffen und korrupte Politiker. Hätte ich gewusst, dass das so geht, wäre ich der Vater einiger nichtehelicher Kinder, die mein Genom in die Zukunft tragen würden, gerne zum Minimalunterhalt, weiterhin geachtet, weiterhin vögelfrei, z. B. mit einer russischen Au-Pair liiert, die für eine Aufenthaltserlaubnis in D-Land vor nichts fies ist, den Porsche gewulfft, mit fremdgehenden Ex-Ehefrauen versorgt, die den Preis für ihre und meine Blödheit zahlen. Lebenslang. Die völlige Selbstauslebung, the permanent pursuit of happiness, ist der einzige Maßstab in einer Gesellschaft, in der jeder, der sich in Anerkennung von Struktur und Rücksicht an einfache Regeln hält, schon als Langweiler und Verklemmter, letztlich Dummer apostrophiert wird. Diese Frau zeigt keine Gefühle und keine Reaktion, fast stolz berichtet sie von ihren Verhältnissen mit Baronen und Bauarbeitern, umstellt von Freundinnen, die ebenfalls parallel ihre Großfamilien durch einen Part-Time-Lover ergänzen, mit Unverständnis reagiert sie auf die Frage nach Selbsteinschätzung der Motive und der Abläufe mit letztlich desolatem Ausgang, da ist einfach nichts angedacht und nichts zu Ende gedacht, da ist jetzt allenfalls eine kraftlose Bedürftigkeit nach Mittagsschlaf und Vermeidung auch des geringsten normalen Alltags-oder Erziehungskonfliktes. Hinter all den Kommentaren dazu, hinter aller Aufregung, Wut, Unverständnis, die sich immer wieder anbahnen, die die verzerrte Fratze von eifersüchtiger Streitsucht und neugierigem Wunsch zeigen, auch diese Facette des Umgangs von Paaren miteinander durchdringen und verstehen zu können, verbirgt sich - leicht erkennbar - der Wunsch nach Selbstschutz, der Wunsch, Sicherheit zu bekommen oder zu entwickeln, dass ich nicht selbst derjenige sein werde, der sich unerwartet in einem diffusen Dreieck oder Mehreck von Gespielen wiederfindet, auf Trichomonade komm' 'raus, womöglich per telefonischer Kurznachricht Stunden vor dem Vollzug, gerade bei einer beruflichen Veranstaltung sitzend oder Minuten vor einer unangenehmen Untersuchung beim Urologen, an einem Feiertag, an dem andere in Familie machen. Platziert und vernichtend. Am ersten Abend mit dieser Frau habe ich getönt: wovor und weshalb sollte ich denn noch Angst haben, wenn ich mich auf etwas Neues, jemand anderen einlasse? Habe ich doch allein in den letzten Jahren zwei mehr oder minder explosive Beziehungsabbrüche durchgestanden, auch sei ich mancher Erzählerin begegnet, die die Lücken im Märchen mit Konfabulationen gefüllt habe, die mich gestählt und wachsam gemacht hätten, kurzum: frisch ans Werk, es gäbe keine Stelle, an der mich das Drachenblut nicht benetzt habe! Als hätte ich jemals etwas verstanden, als hätte ich je geahnt, wie bunt und weit durchgebogen die Palette der Beziehungsgestaltung tatsächlich ist. Ich als das männliche Betthäschen mit dem Plappermäulchen und den Plüschohren und einem großen Batzen sentimentaler Naivität, irgendwie schön rührend, irgendwie ganz schön lächerlich. Und längst erkenne ich, zuletzt unter ihrem leisen Lächeln: oh doch, tief drinnen, du weißt es selbst, sitzt der Schmerz und die aus permanenter Abwehrhaltung gespeiste Verspannung, die dich zeigt, wie du bist: voll Angst, voll Bewusstheit, dass du nichts ändern kannst, dir selbst ausgeliefert, vor allem ausgeliefert fremden Geschichten, die andere mit anderen erlebt und anschließend dir ins vorlaute Gemüt gekotzt haben, angeberisch, gefühllos und kalt; da sitzen sie nun und tanzen Ringelreihen und nagen mich auf. Und die immer trauriger werdende Erkenntnis des Hier-Und-Jetzt und die nur kurz in den Hintergrund geschobene Angst, nur die Plattform gewesen zu sein, auf denen alte Mädchen sich neuen Schwung holen, letztlich Mantel und Degen in die Hand gedrückt zu kriegen und, weniger Narziß als Goldmund, auf den staubigen Weg zu gehen. Wenn ein Mann in der ersten Nacht das Kompliment bekommt: "endlich mal ein Mann, der das Loch alleine findet", sollte er die Augen öffnen, das Licht anmachen und all die gesichtslosen männlichen Geister, die ihm gerade auf die Bettkante gesetzt werden, die anscheinend das Loch nicht alleine gefunden haben, verjagen, zusammen mit der Frau, die ihn mit diesem Nuttensprech beeindrucken wollte. Ich habe es nicht getan; ich habe nichts getan. Das muss ich mir vor Augen halten, um nicht das zu werden, was andere vorgeben zu sein: ein Opfer. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich all die damals für mich noch neuen Geschichten aus dem Vorleben und Leben der ländlichen Haute-Volée einfach so auf mich einprasseln lassen, bereit, alles zu verdrängen und schon wissend, dass mir das kaum gelingen wird, so involviert ich bin. Bis mir in meiner Garage, noch im Wagen sitzend, die Tränen über's Gesicht gelaufen sind, vor Scham und Fremdscham und so zugerichtet in der Seele von all dem unsäglich primitiven Umgang mit Menschen und Werten und Gefühlen, mit der Liebe, der Zärtlichkeit und mehr, zurückgeworfen in die Erinnerungen an meine eigene Kindheit, als ganz ähnlich strukturierte Machthaber und Rechthaber über meine Leiche gegangen sind, nie zur Rechenschaft gezogen, ewig maulige, selbstgefällige Persönlichkeitsgestörte auf einem lebenslangen Ego-Geltunsgtrip mit schwülen Amouren und drei Scheidungen, zu infantil, mal alleine leben zu können, zu desorientiert, sich in einen durchschnittlichen Ehealltag dreinzufinden. Vor Ekel geweint habe ich, zugeschmissen mit den ausgeleierten Begriffen dieser Möchtegern-Emanzen, mit denen frau jede Flittchenposse zur politischen Aktion umdeuten zu können glaubt. Und ich komme mir so klein vor, so besudelt und um etwas betrogen: betrogen um die Illusion eines kleinen, geschützten Bereiches im Leben, für den man Bestandsschutz verspricht. Si dormir avec toi n'est pas le bout du monde Ce le devient pourtant lorsque tu n'es plus là ... Link Freitag, 13. Januar 2012
Freitag, der 13.
falscher Steuerbescheid angekommen - ich habe noch keinen Groschen geerbt und werde schon zur Kasse gebeten; hektische Telefonate mit Finanzamt am Arsch der Welt und Nachlassverwalter dortselbst; wenn Dummheit Pickel machte, würdet ihr alle aussehen, wie Streuselkuchen; später plötzlich Scheibenwischerblätter gerissen, ab in die Werkstatt, nach der Werkstatt in die Waschanlage, bei der Ausfahrt dort Bremsalarm, wieder ab zum Audi-Notdienst, vordere Bremsen abgenutzt, zur Zeit läuft Notfall-Reparatur...
Insgesamt knapp € 300.- Termin abends verpasst, 'rumgehetzt, Essen verschlungen, Rückenschmerzen bis zum Abwinken, todmüder Sex und dafür obendrein noch bezahlt mit dem Anhören trüber Vergangenheitsamouren - ich scheine tatsächlich ein Schild auf dem Kopf zu haben mit der Aufschrift: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." Gerade im Fernsehen mitbekommen, das neue Wort für die Mitnahme von Gütern, Werten und Vorteilen ohne Bezahlung: "wulffen". Nach den Spätnachrichten die Idee: ich werde dem Bundespräsidenten eine Kreuzfahrt schenken... ... Link Donnerstag, 12. Januar 2012
done
weil ich ganz tapfer endlich die mehrstündige Reihe "Rote Erde", vor Jahrzehnten aktuell, aber immer noch sehenswert, zuende angesehen habe, gab es eine Belohnung:
SIEMENS Gigaset SL910, das Telefon unter den Telefonen, satt, schmeichelhaft, schön; problemlose Kommunikation mit dem Mac, Touchscreen und Glanz und Pomp. Besonderes Feature: zeitgesteuerte Klingeltonabschaltung (Nachtruhe), automatische Abweisung von anonymen (= CLIP-Rufnummernübermittlung ausgeschaltet) Anrufen, wahlweise Unterdrückung von Anrufen aus dem Bundespräsidialamt. WE-Programm: Ziemlich beste Freunde. ... Link Freitag, 6. Januar 2012
in der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine
langatmige Diskussionen am Telefon über den Sinn und den Unsinn neuer Pumpen in einem Haus im Überschwemmungsgebiet, in dem nach Jahrzehnten nachlässiger Wartung natürlich die Rohre, in denen abgepumptes Wasser vom Keller zur Kanalisatiion getrieben wird, so verstopft und im Lumen eingeschränkt sind, dass dauernd die elektrischen Sicherungen ansprechen; alles läuft nicht und läuft nicht, bis per Hand gepumpt wird, alles nervt nur, wenn ich einmal am Tag warm und satt und geduscht vor dem TV sitze, in meiner gediegenen Mietwohnung über den Dächern der Stadt, und ohnehin jeder Verbesserungsvorschlag als eine Art Vorhaltung angesehen wird; es gibt viele Frauen, da wundert man sich solange über die fast unbrechbare Kraft für all die Gschaftlhubereien, bis man ahnt: das brauchen die. Das machen die sich selbst. Die machen es sich überhaupt immer lieber selbst. All die tausend aufgemachten Baustellen, die immer als Argument herhalten können, warum nicht eins zuende gebracht wird. Die wollen Hilfe nur, um wieder grinsend feststellen zu können: siehste. Du auch nicht. Und ich ärgere mich bis zum Schwarzwerden, wenn ich das doofe Spiel wieder zu spät erkenne: die spielen gerne "Tumult" und die spielen gerne "ich habe keine Ärmchen" und "Macht den Sieger unter euch aus".
Nichts wissen wollen ist schlimmer, als nicht wissen. Wer sich beim Treppeputzen nichtmal umdreht, der kann dann auch den Kindsvater nicht benennen. Also: mich in Gespräche verwickeln über Alltagsprobleme, die ich nicht verantworte und die ich nicht beseitigen kann, bitte nicht. Und wieder erkenne ich, dass ich die Lektion "Aktives Zuhören" repetieren muss; "Du Arme!" sagen oder "Das ist ja sicher jetzt ein ganz schwerer Moment" oder "Wie kann ich Dir helfend ein Stück weit entgegenkommen?" oder auch nur "Mhh, Mhh" - aber auf keinen Fall mit dem inneren oder faktisch präsenten Werkzeugkasten kommen und gute Tips oder die helfende Hand reichen! Dann ist das Problem weg! Und dann muss ein neues Problem konstruiert werden! Und das ist nicht okay! Also: mitten in den Sermon 'reinschnaufen, ab und zu einen kleinen Schrei ausstossen, als hätte die Wärmflasche auf dem Schoß den Hoden touchiert und dabei den eigenen Einkaufszettel schreiben. Und wenn Sie nicht wissen, wie das geht, setzen Sie sich ins Cafe und beobachten drei junge Frauen beim Smalltalk: alle reden gleichzeitig und ununterbrochen, eine wechselt dabei eine Windel, die so stinkt, dass Ihnen die Mitesser aus dem Rücken fliegen, zwei telefonieren parallel und würgen ihre Kinder (Leon, Mia), alle befeuchten ab und zu den Daumen und wischen einem Balg den Erbgrind aus den Faulecken, nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei, die Damen rauschen vondannen, selbst Sie wissen nicht, worum es ging, und abends müssen sich die Männer zu Hause das ganz von vorne anhören; jetzt sieht die Statistik von der durchschnittlichen Ehedauer in Deutschland schon nachvollziehbarer aus, gell? Und wieder gratuliere ich mir, dass ich vor Jahrzehnten schon meinem Steuerberater widerstanden habe, der mir Single ein Familienhaus aufschwatzen wollte, und ich gratuliere mir dazu auch immer, wenn ich mitbekomme, welchen Ärger aufsässige Mieter veranstalten können, die ohne die geringsten Konsequenzen nomadenhaft durch die anschließend verrotteten Wohnungen ziehen, welche Kosten anfallen, wenn mal eben eine Heizungspumpe gewechselt werden muss oder dergleichen. Nicht wirklich freier Eigentümer zu sein in seiner Immobilie, weil man zig Vollpfosten in ein, zwei Wohneinheiten unterbringen muss, um finanzieren zu können und dann denen auch noch den Müll 'rausstellen müssen, das brauche ich nicht. Schwere Träume im Halbschlaf voller Konflikte, das Gefühl, im Grunde genommen schon hinter der Zeit zurückzuhängen, weil ich immer noch ein ungenutztes Nakamichi-Tape-Deck 'rumstehen habe und zum Jahresanfang niemand mehr Kassetten produzieren wird; soll ich fünfmal im Leben sämtliche Tonträger wechseln, inklusive Hardware? Lieber im TV zum fünften Mal einen amerikanischen Actionkrimi angesehen. Tagsüber ab und zu ein paar Kapitel der Steve-Jobs-Biografie gelesen und zunehmend sauer geworden: alle zehn Seiten heult jemand, bricht in Tränen aus, läuft schmollend aus einem Zimmer - die ganze neurotische Scheisse, die ja sicher jeder aus dem eigenen Büro kennt. Steve Jobs wird überwiegend dargestellt als schwerst gestörte Persönlichkeit, die alle anderen Menschen kujoniert; ein Vegetarier, der sich nie wäscht und nach Schweiss riechend sein Umfeld verpestet. Und wenn ich eins nicht ertragen kann, dann sind das Menschen, die - egal, aus welchen Gründen - penetrant nach Mensch riechen. Vom teilweise genialen und erfinderischen Denker, vom designorientierten Ästheten lese ich wenig - wo ist der Mann, der einen sehr erfolgreichen Weltkonzern geschaffen hat? Die Biografie liest sich so, als hätten all die kleinen Wadenbeisser, die zu blöde sind, eine Schraube einzudrehen, nach seinem Tod nachgekartet Ein nicht empfehlenswertes Buch, perfide und langweilig. Wenn ich morgens so in den SPON sehe, habe ich in den letzten Tagen immer den Eindruck, dass mir die Satire-Version dieses Mediums untergeschoben wird, sei es beim Thema Wulff und wie er die Welt sah oder bei den 150-Euro-Übernachtungen bei Frau Schausten (ähh: gewerblich ...?) Zum GröPaZ ist wohl nicht mehr viel zu sagen: Deutschland wird offenbar gerne repräsentiert vom Typ verdruckster Sparkassen-Angestellter, und ich denke, dann hat Deutschland auch nichts besseres verdient. Und wenn ich darüber nachdenke, dass die CSU auch den anderen Bubi, diesen gegeelten Dr-von-und-zu-Betrüger, baldmöglichst wieder politisch aktiv sehen möchte, dann wird mir klar, dass meine Mitbürger offenbar in unstillbarer Subordinationswollust geil darauf sind, von Nieten in Nadelstreifen düpiert zu werden. Da bin ich schon froh, dass Oskar Lafontaine lieber eine gelenkige Kommunistin bespringt, als politisch überzuschäumen. ... Link Mittwoch, 4. Januar 2012
Der mit den Wulffs tanzt
Die Filmindustrie hat auch schon zugeschlagen.
Das Poster zum Film. Oder hier:*gröl* Wulff, der GröPaZ (Größter Präsident aller Zeiten) ... Link
wir sind das Net!
die halbe Weblog-Szene ist zertwittert; wer noch schreibt von den Leuten, die vor zehn, elf Jahren das Internet eher als Medium der Kommunikation, als als zusätzlich Einkaufsmöglichkeit gesehen hatten, schreibt etwas betreten, vor allem selten und so, als ob man mit 45 erwachsen wäre.
freitagsfish sollte wieder schreiben, malorama öfter. Zum Beispiel. Oder sollen wir alles den Kindern überlassen? ... Link Montag, 2. Januar 2012
wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand
man wird reich durch hohe Einnahmen (z.B. Jahresgrundgehalt von ca. € 200.000.-) oder durch geringe Ausgaben (z.B. spottbillige Kredite).
Herr Wulff kann beides. Ein Mann, ein Wort (zuviel), ein Aal, ein Lachschlager. [Don Wulff kratzt sich mit der Rückseite der Fingerspitzen unter dem Kinn und spricht heiser mit dem zitternden Reporter vor ihm: "ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst - oder du wirst bei den Fischen ruhen!"] ... Link Sonntag, 1. Januar 2012
Christmas carol
es ist ja schick, nach den Weihnachtsorgien in Gestöhne über die Familienopfertage zu verfallen, und deshalb will ich nicht hintanstehen.
Es war sehr anstrengend: das Kartenspiel "Lügen" spielen, von den ersten Schlägen einer flammneuen Wii-Fernbedienung fast den Unterarm abgerissen bekommen (es gibt wirklich und wahrhaftig nichts Blöderes auf der ganzen weiten Welt, als diese Videogames), täglich drei Stunden Walking absolviert, nur um einem Chaos von schlecht regulierter Heizung, defektem Licht, unangesagten häuslichen Vorglüh-Feten, anonymen Anrufen um 5:30 Uhr früh und einem absoluten Mangel an Platz unter mehrschichtig aufbewahrtem Verpackungsmaterial zu entgehen. Im Hintergrund das Schlimmste: dass man in der Kleinstadt, aus der ich nach mühseligen fünf Tagen am Rande eines Nervenzusammenbruches geflohen bin, ungewollt und trotz sorgfältiger Auswahl diverser Umgehungsstrecken mit den Urhebern reichen Kindersegens und noch reichhaltigeren gegenseitigen Betrügereien und den jeweiligen neuen Partnern zusammenstösst und das lächerliche Ritual geflissentlichen Nichtgegrüsstwerdens hautnah mitbekommt, das diese Spießer so draufhaben, die sich im Landadel verpuppt haben und keine Gelegenheit auslassen, ihre infantilen und subtilen Piesack-Manöver unablässig gegen Gott und alle Welt zu richten. Auch das eine böse Parallele zu den Erinnerungen meiner Kindheit. Widerliches Pack. Wie schade, möchte man denken, dass über die Feiertage nur dieser steinalte holländische Kollaborateur das Zeitliche gesegnet hat. Die Nacht aufs neue Jahr dagegen ganz gut verbracht, mit Raclette feinster Güte und Menschen, mit denen ein halbes Leben Europatrips als Teenager verbindet und zehntausend Anekdoten, die nichts mit Sex, Lies and Videotape zu tun haben. We discovered Europe in two weeks and the sky was the limit. Im Dauer-Nieselregen, der seit Tagen anhält, verliert sich die Erinnerung und langsam breiten sich Überlastungsschmerzen in allen Sakralgelenken und eine halbherzige Erschöpfungsdepression unter der Schädeldecke aus, wie langsam wachsende Schimmelpilze. Später 'Der seltsame Fall des Benjamin Button' gesehen und gegen Ende geheult, wie ein Schlosshund, mit auf die Augen gepressten Händen und dem Gefühl der Auflösung in der Brust, was weiß ich, warum. ... Link Mittwoch, 21. Dezember 2011
hang on to a dream
das Gespräch mit Dir.
Ich hatte gefürchtet, in Deiner Attraktivität zu ertrinken, die Fassung zu verlieren. In Erotik zu schwelgen, wo es mir eigentlich um anderes ging. Sprühende Debatten zu führen, mit Neckerei und kindlichen Zuweisungen. Du hast damals. Ich habe nie. So ruhig und so distanziert bin ich dann geblieben, dass es mich fast erschreckt hat; der, der noch vor Jahren mit einer einzigen Bemerkung fast zur Raserei gebracht werden konnte, hat seine Gefühle in Glas geschmolzen. Du bist längst wieder liiert, Du fährst jetzt das Luxus-Cabrio, das Du immer haben wolltest, Du wohnst sogar mit neuem Partner und altem Cabrio unter einem Dach. Du gehst auf volles Risiko, denn Sicherheit wird es dort niemals geben, zu viel Vorgeschichte und zu wenig finanzielle Absicherung, viel zu wenig soziale Integration, leben von Tag zu Tag und der Hand im Mund. Du beklagst das, und Du beklagst die Langeweile, die die Freizeit füllt; zu keiner Unternehmung sich aufraffen können, keine Lust und kaum die finanzielle Ausstattung für ein Leben. Die Koffer hattest Du schon gepackt, vor Wochen; und bist dann doch darauf sitzen geblieben. Mit mir konnte man lachen, erinnerst Du Dich und mich! Leben, lieben, lange Wege und kurzweilige Unterhaltung, Wein, Weib und Gesang, mit vollem Mund streiten, laut sein und sanftes Zirpen. Nein, Du bist nicht zufrieden. Wieder nicht. Niemand ist böse oder unerträglich, niemand ist verletzend oder streitlustig; es ist geronnenes Leben; Du bekommst keine Luft, Deine Worte gehen ins Nichts. Vieles anders machen würdest Du heute, hättest einiges längst verstanden, was Dir damals als Zumutung vorgekommen ist; jetzt müsstest Du selbst Rollen spielen, die Du damals bei mir belächelt hast. Ich werde noch stiller, lasse Dich wirken und sage Dir, was ich ernst meine: Du bist eine der schönsten Frauen, die ich kenne; Du bist, nach Jahren frustrierender Einsamkeit in einer Gemeinschaft aus Kälte und Asche, meine Erweckerin gewesen, in Deinen Armen, Deinen Atem an meinem Ohr, Deinen Duft in meiner Nase, bin ich wieder Mann geworden, Liebhaber geworden, auferstanden. Und ich bedanke mich, dass Du mir meine Haut und Sinne und Lust zurück gegeben hast. Und während ich das ruhig sage, bittest Du mich um Verzeihung, dass Du mich belogen und hintergangen hast, sag' doch: wirklich gehasst hast Du mich doch nie?! Nein, ich habe Dich geliebt. Einige Monate Crescendo und wenige Momente des inneren Zusammenbruchs Deines Götterbildes in mir, nachdem ich dahinter gekommen war. Kein Hass. Kühle Vorsicht. Und langsam macht sich bleierne Müdigkeit hinter meinen Augen breit, ich suche nach Worten, ich möchte mich selbst beschwören, vergeblich. Ich weiß eigentlich nichts mehr, was ich Dir sagen könnte. Ich habe mit Dir und bei Dir und später ganz auf eigene Faust in den Dating-Höllen Leute getroffen, gegen die Du geradezu bürgerlich-konservativ-gehemmt wirkst, eine kleine Sünderin, kaum erkennbar vor dem obszönen, destruktiven, schäumenden und sich windenden Berg beschädigter Geister, die sich auf den Haufen werfen. Es sei schade, dass ich Werte über Bord geworfen habe, sagst Du. Kann sein. Kann sein, dass ich, naiv aufrechnend, nun zur Erkenntnis gekommen bin, dass es für Treue, Tapferkeit und Glaube, für Fairness und klare Kanten keine Belohnung gibt. Und für das Gegenteil auch längst keine Sanktionen mehr. Alles ist einmal, und einmal ist keinmal. Quod licet Jovi, non licet bovi. Jupiter warst Du nie - und ich bin kein Ochse mehr. Später in der Dunkelheit suche ich nach den Gefühlen, von denen ich meinte, dass sie nun in mir sein müssten; kaum überraschend sind keine mehr da, die ich mit Dir und unserem Wir verbinden könnte, nur eine sanfte, leise Traurigkeit, ein Bedauern, wie man es bei jeder vertanen Chance spürt. Deine SMS kommt wenige Tage später; Du bist berührt, Du möchtest das Gespräch fortsetzen, willst wissen, wie es mir danach geht. Und ich warte und schweige und dann schreibe ich Dir, dass ich weit voraus an allen Wochenden unerreichbar bin, Termine bis in den Abend habe, ja, eigentlich ganz zufrieden sei. Und ich wünsche Dir frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr, so, wie man das jemand schreibt, dem man nicht böse ist. Und Du antwortest, dass Du verstanden hast. ... Link Montag, 19. Dezember 2011
am See
der angekündigte Sturm kommt nicht durch und Schnee fällt auch nicht, es ist aber kalt und ich muss mich etwas gegen das Wetter anlehnen; ein langer Weg, so oft gegangen in diesem Jahr, und nie ohne den Muskelkater am Tag darauf, der mich lahmlegt.
Später heissen Kakao; die Fahrt zurück in der Dunkelheit und in die Dunkelheit; wie ein Schlag ins Gesicht das Zusammentreffen von Advent, verkaufsoffenem Sonntag und Weihnachtsmarkt. Der Geruch nach Fusel, Fett und Schweiß, ein Gewusel von heulenden Blagen in Großraumkinderwagen, räudigen Kötern und in Plastiklamotten eingezwängten Wutbürgern, die ihren Gang über den Weihnachtsmarkt absolvieren, als würden sie am Ende ans Kreuz genagelt. Das Geld, das niemand mehr hat, sitzt locker, es werden Zwanziger gezückt, während die Bratwurst aus dem Maul baumelt. Und es wird Zeug gekauft, das selbst in China als Sondermüll vergraben würde; warum krümmen sich Menschen nicht vor Selbstekel, wenn sie geschnitzte Schilder für die Klotür, gestrickte Feuerzeugwärmer und Fußballclub-Bierdeckel-Sets kaufen? Ich bin so müde. Und jetzt fällt Schnee. ... Link Mittwoch, 14. Dezember 2011
über den Wolken
in der First Class des Fliegers sitzt eine attraktive Frau und studiert eine umfangreiche Akte.
Ihr Sitznachbar wendet sich ihr zu und fragt freundlich: "Sie sind ja so vertieft in Ihre Literatur, dass ich annehme, es ist eine besonders gute Abhandlung?" "Ja", lächelt die Frau, "ich bin Soziologin und lese gerade eine Metaanalyse zum Thema des Zusammenhangs zwischen Sexualität und Herkunft". "Ach", fragt der Mann, "und was sind die grundlegenden Erkenntnisse?" "Indianer pflegen besonders phantasievolle Sexualpraktiken und Polen sind am ausdauerndsten dabei", antwortet die Frau. "Oh", sagt der Mann, "nun sitzen wir hier und plauschen so nett und ich habe mich Ihnen noch nicht mal vorgestellt! Gestatten Sie: Winnetou Szymański". ... Link Dienstag, 13. Dezember 2011
Métro, boulot, dodo,
... Link Montag, 12. Dezember 2011
with the child in my eyes
so müde und dann doch im Bett gewälzt, leiser Regen draussen, die Geliebte ist längst fort, die Wohnung aufgeräumt, alles geordnet, nüchtern muss ich bleiben und Simeticon schlucken, damit morgen kein Befund von Gasbildungen überlagert wird; ich bleibe nüchtern, ich schlucke Simeticon, und ich schlucke noch mehr, um den einzig möglichen Bewusstseinszustand zu erreichen, der die Grübeleien verdrängt an all das, was mich erwarten könnte, die Angst vor all dem, das als Drohung im Raum steht, mehr und näher, als bei Hinz und Kunz, erfahren und eingegraben in mein Gemüt, in meine Erinnerung, in meine Vita: eine diffuse, zungenschwere Distanziertheit pharmakologischer Genese.
Weit vor dem Termin bin ich wach, ich dusche lange, rasiere mich gründlich, richte meine Kleidung, wie ein Soldat, dem eine Schlacht bevorsteht, ich bin ernst, aber die Hände zittern nicht und sind nicht feucht. Die Stadt liegt im langsam heller werdenden Regenschleier und auf den letzten Schritten in die Praxis rekapituliere ich subvokal, was und in welcher Reihenfolge zu tun sein wird, wenn der Urologe wieder eine dieser kaum bemerkbaren Atempausen macht, an denen ich immer erkannt habe, dass wenige Momente später eine schlechte Nachricht folgen wird. Der Urologe atmet ruhig, er richtet die Sonde aus, presst und schießt seine Bilder; alles ist gut, nächste und weitere Kontrollen in 3 Monaten, bitte sehr. Draussen, weit entfernt von Angst und Schrecken, aktiviere ich das iPhone wieder, melde den guten Stand der Dinge an die, die es überhaupt interessiert. Ich setze mich in eine dieser Brötchen-Bars, bestelle Kakao und ein kleines Frühstück, ich versuche, wieder normal zu atmen, kein Tiger mit schwarzem Fell und gelben Augen lauert mehr hinterrücks, ich habe drei Monate geschenkt bekommen, die für Weihnachten und meinen nächsten Geburtstag reichen sollten. Durch das Geräusch der Rolltreppe dringen Stimmen und die synthetische Musik aus den Buden des Weihnachtsmarktes. ... Link Sonntag, 4. Dezember 2011
excellent
die Plakate, die Fotografien, die Bilder, Videos, die ganze Kunst trifft auf mein müdes Hirn, im großen Glasbau des Folkwang-Museums bleibt der Regen, der auch hier fällt, als ob es etwas nachzuholen gäbe, außen vor, der Hals ist eng, der Himmel grau, es ist stürmisch; noch eine Stunde vor Einbruch der Dämmerung auf dem Weg in die Essener Innenstadt, in die Fußgängerzonen voller Menschen mit dem rauen Charme des Ruhrgebietes, zwischen tausend Buden mit Würsten und Glühwein und Dioden-Licht schwimme ich im Strom der Menschenschlangen, die in die Kaufhäuser schwappen und kurz darauf wieder zurück auf die nassen Straßen, es gibt viel, aber es gibt das nicht, was ich suche; beim kleinen Kaffee in der Eisdiele die Frage nach einem türkischen Restaurant, weil es heute mal das sein soll, und der Tip ist das Restaurant tablo; das "tablo" ist die Antwort, auch auf meinen Hunger; eingereiht in ganz rasch sich füllende große und lange Tische, junge Türken küssen ihren Vätern die Hand, ihre weißen Hemden werden oberhalb der Hose getragen, die Haare frisch gegeelt, Familien mit Kindern, die aufmerksam zuschauen, als die frischen Fische vorgezeigt und fachkundig zerlegt werden, Männerrunden unter sich, tätowiert und muskulös, kurze, freundliche Gespräche mit den Kellnern, die nicht nur eine gute Figur, sondern auch sehr kompetenten Service machen, mein Wasser kommt, mein türkischer Rotwein kommt, ein Salat wird geteilt, dann das Lamm mit Auberginen und später Baklava, wie ich es nie gegessen habe.
Die Welt ist dunkel, der Regen verflogen, Rosmarinduft liegt in der Nachtluft, und ich bin satt, sanft und zufrieden. ... Link Montag, 21. November 2011
Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen
gerade bin ich mittendrin im Nachlassverfahren väterlicherseits, da kommt wieder Post vom Amtsgericht und eine kleine Erbschaft wird mir avisiert, von einer Frau, die ich nie kannte, in deren Erbfolge ich irgendwie auf Platz 112 stehe und die eigentlich und ungelogen ihr ganzes Vermögen demjenigen geben wollte, der ihre beiden Kätzchen liebevoll versorgen würde - ein nach deutschem Recht ungültiges Testament, das nun Notare und Gerichte beschäftigt.
Seit 2003. Nachtrag, 22.11.11.: weil ich ein Skeptiker bin und weil ich vom Erben soviel Ahnung habe, wie eine Kuh vom Fußball, habe ich mal mit Beratern gesprochen, lange und gründlich. Und habe gelesen, was einem so ein Amtsgericht alles aufschreibt. Und habe schon zehn Mit-Erbberechtigte gefunden, die ganz rasch das Erbe ausgeschlagen haben. Und nun sage ich: wenn man sich zurücklehnt und 6 Wochen verstreichen lässt, dann ist man tatsächlich Erbe - auch z.B. von den Schulden, die jemand hinterlassen hat. Da macht man nix mehr, da haftet man mit dem gesamten eigenen Vermögen bis zum Abwinken. Ich wusste das nicht: wenn man eine (undurchsichtige oder verschuldete) Erbschaft nicht haben will, dann muss man notariell beglaubigt das Erbe ablehnen; gegen Gebühr, versteht sich. Also: morgen mache ich den Termin beim Notar. Trau', schau', wem! Zehn Stunden intensiver Beschäftigung mit Behördenmist, teure Beratung, Schwanken zwischen Freude über ein paar Euro und Verunsicherung und am Ende Gebühren und Frust, weil eine unbeschlagene Katzenmutti ihre Mietzen ins Testament setzt! Ich könnte! Nachtrag, 30.11.11: im Nachhinein erfährt man dann, dass diese verstorbene Frau 2003 eine Woche oder mehr mit ihren Katzen verwesend in der Wohnung gelegen hat, dass sie gesoffen hat bis zum Anschlag, dass ihr Nachlass aus ein paar Aktien bestanden hat, die heute das Papier nicht mehr wert sind, auf dem man sie druckte, dass seitens der Bestatter im Handstreich diejenigen zur Abwicklung der ganzen nötigen Aktionen requiriert wurden, die zu langsam waren, rechtzeitig abzuhauen; und die dürften nun nicht nur auf zwei in Koffern verstauten Pelzmänteln sitzen (die ihnen beim ersten Tragen von PETA-Aktivisten mit Lack besprüht werden), sondern eben auch auf unabsehbaren Kosten für alle Verfahren, Bescheinigungen, Abwicklungen. Und diese Leute suchen nun, wem auf dem Erbwege Kosten anteilig in Rechnung gestellt werden können. Nachtrag, 30.11.11, abends: soeben erhalte ich eine Rechnung des Amtsgerichtes, bei dem ich die mir angedrohte Erbschaft schriftlich ausgeschlagen habe - ich kriege gleich einen Raptus: für die "Annahme einer Erbausschlagungserklärung" werden mir € 10.- berechnet. ... Link Sonntag, 20. November 2011
Barney's Version
den Tip habe ich rome/achnaja zu verdanken, den Film am Tag der Veröffentlichung von Amazon erhalten, und ja, auch ich hatte Tränen in den Augen, nachdem ich den Film angesehen hatte.
Unbedingt. Dieses. Meisterwerk. Ansehen. ... Link
Rotlichtverstoß
Du, es war so: nachts um 23.30 an einer Kamera-bestückten Kreuzung lieb und brav und ganz still gestanden - und plötzlich knallt mir der Blitz in die Augen, offenbar fehlerhaft oder durch einen in die Kreuzung schlitternden Einsatzwagen der Polizei ausgelöst; und das Spiel kenne ich.
Es genügten zwei Telefonate, um den Sachverhalt prophylaktisch zu klären und dafür zu sorgen, dass mir nicht in einigen Tagen ein tolles Foto von mir mit 4 Punkten in den Kasten flattert und niemand will noch von was wissen... Nicht aber war gemeint (vonwegen "Rotlicht" und "Ver-Stoß"): ein Besuch in einem Bordell; in einem Puff war ich schon: mit 16, in London, Nähe Piccadilly Circus - da war ich Austauschschüler und verrückt nach diesen Penny-Lane-Spielhallen, in die man Pennys einwerfen und mittels Verstellung der schiefen Ebene, auf denen die Münzstücke in die Maschine rollten, kleine Preise "abschiessen" konnte; und ich habe jede offene Tür mit schummrigen Licht für eine Spielhalle gehalten ... bin schnell wieder ans Licht gesetzt worden, weil in die dort vorhandenen Schlitze keine Pennys geworfen werden konnten. Und seit ich älter als 16 bin, stehe ich nicht mehr auf Spielhallen, Penny-Lanes und Bordelle; ich schau ab und zu auf Pornoseiten im Internet und amüsiere mich köstlich, vor allem, wenn es deutschsprachige Seiten sind; das grenzt an verbale Körperverletzung, wenn Kölsch oder Sächsisch sprechende Wampen in Socken pickelige Models mit Karies und Brustwarzen-Hanteln bespringen, nachdem sie ein sehr direktes Flirtverhalten gezeigt haben ("Ey! Ficken?"). Will sagen: wenn ich selbst mal soweit bin, meinen Erfahrungshorizont mit einer russischen Nutte gegen Bargeld erweitern zu wollen, mache ich das einfach - momentan leide ich, wie viele Möchtegern-Zyniker, noch zu sehr an romantischen Anwandlungen und der Idee, dass ich ziemlich traurig wäre, wenn ich ohne jeden Zweifel wüsste, dass die Dame nur stöhnt, weil ich zahle. Ich habe gottseidank noch genügend Kontakte, bei denen ich mir wenigstens einbilden kann, es läge an meiner überdurchschnittlichen Intelligenz und enormen körperlichen Attraktivität und der in langjährigen Bemühungen erworbenen Versiertheit hinsichtlich sexueller Praktiken, und nicht nur an meinem sehr guten finanziellen Spielraum, dass die jeweilige Frau mit mir ins Bett geht. ... Link Donnerstag, 17. November 2011
iBooks
soeben habe ich - noch während der Lektüre von Anke Gröners "Nudeldicke Deern" - das auch dort zitierte Werk von Jonathan S. Foyer "Tiere essen" aus dem Apple-iBook-Store geladen, € 3.- günstiger, als die gedruckte Ausgabe in der Buchhandlung, als "enhanced book" mit allem Drum und Dran.
Und jetzt, beim Lesen, lerne ich den Luxus des iPad erst richtig kennen. Und ganz nebenbei hat mir der Apple-Berater meines Vertrauens im mstore erklärt, dass ich alle Schriftstücke, die mit "Pages"/iWork erstellt wurden, als elektronisches Buch im Format .epub sichern und anschliessend auf dem iPad lesen kann. Ich hab's ausprobiert - so kann ich arbeiten. ... Link Montag, 14. November 2011
role models
Private Paula oder Private Joker?
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