|
Montag, 1. März 2010
oh, mother
... Link
Der Engel von Zug 2029
man muss sie nicht kolportieren, die ganzen unsäglichen Geschichten über "die Bahn", es ist ja ohnehin eine never-ending-story-of-incompetence - aber man sollte sie vielleicht hinschreiben, um das latente Stimmungsbild in Worte zu fassen, bis es sich entlädt über den Häuptern.
"Xynthia" ist keine Einwirkung höherer Gewalt; der Orkan der letzten Nacht war ein angekündigtes Ereignis, für das ein Konzern wie die DB, der Monopolist im Fernverkehr, hinreichend Zeit zur Vorbereitung hatte. Vorbereitung auf das zu erwartende Chaos und rechtzeitige Bereitstellung von Unterkünften, Ersatzverlehrsmitteln, Kooperation mit Bus- und Taxi-Unternehmen und dergleichen. Was ich gestern erlebt habe auf der Fahrt von Bremen nach Hause sah so aus: noch vor Dortmund die Lautsprecherdurchsage, dass ein Arzt gesucht werde, mich durchwühlen durch einen überfüllten und mit unsinniger Wagenfolge zusammengeschmissenen Zug zum Bistro, dort fruchtlose Diskussion mit einer Krankenschwester, die das ausgeprägte Quincke-Ödem eines jungen Mannes lapidar als "Schwellung" abtun wollte, Versorgung des unter seiner massiven Gesichtsschwellung und Luftnot leidenden Mannes mit allem, was ich zufällig in der Tasche hatte, Organisation eines RTW-Einsatzes beim Zugführer, Sicherstellung des Transportes des Patienten zum nächsten Krankenhaus zwecks Weiterversorgung. Ich, "Der Engel von Zug 2029". Wenige Minuten später die Durchsage, dass der Zug umgeleitet werde, Passagiere in Dortmund aussteigen sollten. In Dortmund Hunderte ratlos, frierend und unversorgt vor den Schautafeln, die den Ausfall eines Zuges nach dem anderen ankündigten, wenige Vertreter der DB vor Ort, umherschlendernd und ahnungslos, einer an den anderen verweisend, über ihre Überstunden klagend, nicht bereit, die für alle weiteren Schritte nötigen Bescheinigungen auszustellen, letztlich mit der barschen Anweisung, jeder Betroffenen solle sich um sich selbst kümmern. Basta. Ein Run auf die Taxi-Station, dort werden Fern-Fahrten zum Pauschalpreis angeboten, "ohne Uhr", leider auch ohne Quittung; man akzeptiert, wohl dem, der 100.- Euro Vorkasse leisten kann, wehe dem, der weniger eloquent und im Bittstellerton versucht, von der DB Hoffnung für die Nacht zu bekommen. Ich bin zu Hause mit drei Stunden Verspätung eingetroffen und mit einem nutzlose Ticket der DB über rund 47.- Euro und Kosten von 110.- Euro für Taxifahrten in der nassen Hand. Und ich lasse mir das nicht mehr unkommentiert bieten, nicht die inzwischen fünfte Katastrophe ähnlichen Ausmaßes in drei Monaten; man lässt das Auto stehen, weil es nur noch Baustellen auf den Autobahnen gibt, man schont die Umwelt und nimmt die Bahn - am Ende steht man (entweder, weil "Winter" ist oder weil "ein Orkan tobt" oder weil es zahllose "Betriebsstörungen" ungeklärter Genese und Dignität gibt) auf einem windigen Bahnhof im Regen, geschlossene Beratungsschalter, geschlossene Toiletten, freches Restpersonal, fehlgeleitet von fetten Weibern mit neckischen roten Mützchen auf der hohlen Birne, die einen im Ossi-Slang an den Arsch der Welt bugsieren, wo erst im Morgengrauen der nächste Zug fährt. Die Deutsche Bundesbahn ist - wie die heutige Telekom - ein Monopol-Verein, der jahrzehntelang auch von meinen nicht unerheblichen Steuern finanziert und anschliessend auf den freien Markt geworfen wird, mit jedem Euro für die Fahrkarten zahle ich ein Heer in Ruhestand befindlicher Beamter, die jeden Mist angerichtet haben, der denkbar ist, und im Gegenzug werde ich dafür, ob unterwegs im Lande oder vor Ort in den Großstädten, mit maroden, de facto verkehruntauglichen, dreckigen oder gänzlich stillstehenden Verkehrsmitteln versorgt. Ich habe dem "Servicecenter für Fahrgastrechte" geschrieben, dass ich die volle Kostenerstattung (Zug und Taxi) erwarte, mindestens. Und den argumentativen Rückzug auf "höhere Gewalt" umgehend mit einer Liquidation für im Auftrag der DB geleistete ärztliche Nothilfe beantworten würde. (Nachtrag, 09.03.2010: die DB hat meinen Anspruch anerkannt und gezahlt. Recht so.) ... Link |
UNTERTITEL
si tacuisses, philosophus mansisses STATUS MENÜ SUCHE KALENDER ARCHIV
... 2012
... 2011
... 2010 ... 2009 ... 2008 ... 2007 ... 2006 ... 2005 ... 2004 ... 2003 ... 2002 ... 2001 |