Montag, 22. Juni 2009
Juni

nur mal ausschlafen können, damit die langsam chronisch werdenden Kopfschmerzen sistieren, die ich z.T. auf dieses absurde Wetter zurückführe (mal plötzlich Sonnenflecken auf allen Strassen, dann wieder Regen, der gegen die Autoscheibe klatscht), z.T. auf das monatelange Herumtreiben im Paralleluniversum, in dem es Wein, Weib und sogar Gesang gibt, aber nach und nach natürlich auch Erkenntnisse, Grenzen und Unmöglichkeiten und Sehnsucht und Forderungen, die sich als Wünsche tarnen; im Hintergrund, im Hinterkopf die jüngere Vergangenheit, spätes Erkennen, wie dumm das Leben oft läuft, there's so much love to make up everywhere you turn, love we have wasted on the way, die Freunde werden plötzlich älter und tragen kleine Bäuche, die Freundinnen rufen an und schluchzen, weil sie ihre Männer verloren haben in den Schlachten des Geschlechterkrieges, auf den Feldern der Kontaktplattformen treffen sich blutende Herzen und brüchige Narben, farblose Ängste und bunte Versprechen und eine unstillbare Sehnsucht, wenigstens noch einmal Hand-in-Hand über den Markt zu schlendern, zwischendurch überfallartige Umklammerungen und ein sich aneinander ergötzen, als ob es kein Wiedersehen mehr gäbe, gestammelte SMS voller Herzchen und Smilies, alte Songs, alte Briefe, alte Bilder, weißt Du noch? und dazwischen die Suche nach neuer Arbeit, neuem Leben, neuem Glück, nicht mal das Meer kann ich wiedersehen, wo der Wind Deine Haare vermisst, und es gibt in den Parks nur noch zwei Sorten von Menschen, die verschlungenen Paare mit einander zugewandten Gesichtern und die Vereinzelten, die spazieren gehen, weil es gesund ist, die großen Villen in der Vorstadt-Einsamkeit, in denen warmherzige Mütter in verwaisten Ehebetten frieren und in der Mitte ihres Frauenlebens vergessen, wie sich ihr Stöhnen vor Lust angehört hat, so ein Hunger nach Leben, der sich um die Taille gelegt hat, so ein Zorn auf die Realität, in der es immer mehr Knüppel gibt, die einem zwischen die Beine geworfen werden, die Beschwörung des alten Zaubers, des Optimismus, das ruhige Sitzen mit den Händen im Schoss, soll DAS alles gewesen sein? sich aufbäumen und alles eine Etage tiefer hängen, sich abfinden und auf sich nehmen, was man kriegt, a la recherche du temps perdu.
Der Sieg der Hoffnung über die Vernunft. Lässt auf sich warten.
Juni.
jugend. das ist so ein moment, an dem sich frauen gleichzeitig zum fitness, zur pediküre und zum friseur anmelden, und sie können drüber lachen dabei...

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si tacuisses,
philosophus mansisses


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