Mittwoch, 17. Dezember 2003

heute bin ich ohnehin so gut drauf, da darf ich nochmal nachlegen: die bigotten Spinnereien paraklerikaler Organisationen.
Hauptsache der Papst trägt Brillis, was? Das finde ich degoutant.
Übrigens: ich zahle keine Kirchensteuer - und Kalender mag ich. Ehrenamtlich tätige Leute, die sich um andere kümmern und geschmackvolle Schwarz-Weiß-Fotografie mochte ich schon immer.



Schlüsselwörter: forensische Entomologie, Entomotoxikologie, Leichenliegezeit.
Wem zwischen den Feiertagen der Gesprächsstoff ausgeht, der findet hier ein Thema für eine gemütliche Fachsimpelei bei einem Stück Stollen. Oder so.
Übrigens reich und bunt bebildert, der Artikel; eine Augenweide, die jedes Erbtantenherz schneller flattern läßt.



Ich frage mich - zwischendurch, wenn ich mich nicht um wirklich kranke Klienten oder um wirklich durchnässte Wände kümmern muß - wozu die Bundeswehr einen "Berater" braucht, der per Vertrag für ein verlängertes Wochenende "Arbeit" eine Millione EURO bekommt; Frisurendesigner? Uniformstylist? Imageberater? Der Motorrad fahrende Schnauzbarträger (nix gegen Motorräder, nix gegen Fahrer, nix gegen Schnauzbärte, nix gegen Träger) an der Spitze der Landesverteidigung (gegen wen müssen wir uns eigentlich verteidigen? Gegen Berater, allenfalls) ist also auch nicht besser, als der ganze Rest dieser ausgewählten Schwachmaten, die nicht rechnen können, in unserem Selbstbedienungsladen namens Regierung.
Mir ginge das am unteren Rückenende vorbei, wenn diese Leute das Geld, das sie verschleudern, durch Ackerbau und Viehzucht selbst verdienen müssten.
Müssen sie aber nicht.
Ich habe inzwischen eine Stinklaune und laufe auf Reserve, und wenn ich noch ein einziges Weihnachtslied höre, aus den Blechboxen einer Glühweinschenke oder einem Imbißstand z.B., dann melde ich mich freiwillig zur präventiven Festnahme beim kommunalen Ordnungsdienst.
Vonwegen Selbst- und Fremdschutz.


Dienstag, 16. Dezember 2003

... Fußleiste zweimal lackiert, Espresso für Maurer zubereitet, Moltofill verstopft, Pinsel gereinigt, Boden neu abgedeckt - alle Jahre wieder der gleiche Mist.
Draussen auch: alle Jahre wieder der gleiche Mist; heute den ersten Stoßseufzer "Ich bin froh, wenn Weihnachten vorbei ist!" gehört - there is more to come; im Januar ist immer Hochkonjunktur am Umtauschtresen und bei Paartherapeuten und Scheidungsanwälten.
Mehr Mist hier.


Montag, 15. Dezember 2003

okay, ja: wenn ich nicht heute diesen Wasserschaden gehabt hätte, wäre das mit dem Reform-Kompromiss natürlich etwas besser geworden - ich musste Prioritäten setzen, sorry; da müssen wir jetzt alle durch.
Und wenn das mit meiner Wohnung so weiter geht, lebe ich bald öffentlich, wie Saddam versteckt. Oder so.



was man erreichen kann in zehn Stunden, mit guten Worten, gutem Geld, guten Handwerkern - von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr: 8 Quadratmeter durchnässte Schlafzimmer-Wand aufschlagen, "blutendes" Wasserrohr aus der Wand nehmen, neues Rohr einlegen, Wand schließen, Dreck wegräumen ... zwischendurch im normalen Alltagsjob die Welt retten und ärgern, ärgern, ärgern ... Hirn an Leber: "mehr Energie!", Leber an Hirn: "abschalten!"
Wenn ich weiter Glück habe, ist mein Schlafzimmer Weihnachten wieder belegbar (trocken, verputzt, tapeziert, gestrichen) - Weihnachten 2003, meine ich.



ja, schön, prima: wachwerden und feststellen, daß über Nacht seltsame Beulen in der Tapete einer Schlafzimmerwand entstanden sind, aus denen sich Wasser entleert ... um 6.30 Uhr bin ich noch nicht fit für einen hysterischen Anfall.
Der aktuelle, per Telefon abgefragte Stand der Dinge ist, daß Handwerker gerade die Wand aufstemmen, um das Leck zu suchen. Ich liebe Handwerker, die Wände aufstemmen; ich liebe den Gedanken, meinen Weihnachtsurlaub wieder mit Renovierungsarbeiten zu verbringen; ich liebe die ganze Welt.
Ich gehe jetzt mal eben aufs Klo und erschiesse mich.


Sonntag, 14. Dezember 2003

"Geist ist geil!"


Freitag, 12. Dezember 2003



HIV-Therapie / beste Kombination / Stand der Dinge


Donnerstag, 11. Dezember 2003

nachschlagen müssen, was jetzt genau "metrosexuell" ist (und bin sofort erleichtert gewesen, daß ich die nach Pfefferminze riechende Probe Haargel, die mir die Frisörin meines Vertrauens gestern geschenkt hat, rechtzeitig entsorgt habe), auch ansonsten ein Beitrag, den geschrieben zu haben ich mir wünsche. Stilistisch mein Ding, inhaltlich kann ich da sowieso nicht mitreden. Nicht mehr. Wahrscheinlich ist das alles auch noch wahr. Chapeau.
Und das hier ist auch angenehm zu lesen.
Ich selbst habe von meiner linken Oberlippe geträumt.
Normalerweise kann man sich deutende Erklärungen dazu aus seinem Sternzeichen basteln - Anleitungen gibt es auf den verpackten Doppel-Zuckerwürfeln in jedem gut sortierten Cafe ("Wassermann: gute Eigenschaften ..." etc. Ich lese immer zuerst die schlechten Eigenschaften, bin bei Wassermann dann auch hoch erfreut, mit allem leben zu können, die haben keine schlechten Eigenschaften; daß ich Wassermann bin, hatte ich erwähnt?)
Ich war heute aber in keinem Cafe, weil ich beim Schuster die Fußmatte für's Auto abholen mußte, die jetzt einen neuen Lederflecken trägt (€ 8.-), genau da, wo mein hektischer Gasfuß den Golf kitzelt und die Matte durchscheuert.
Also bezüglich des Traumes weiterhin Befremden bzw. Ratlosigkeit, wobei: nichts gegen Ratlosigkeit, ich muß mit soviel Ratlosigkeit leben, heute und überhaupt, daß ich manchmal einfach lachen muß.
Auch im Dienst am Nächsten wieder Seltsamkeiten solcher Güte gehört, daß ich, um nicht laut zu schreien, denke, ist doch toll: im Theater müßte ich dafür Eintritt zahlen; wenn ich das hier hinschreiben würde, ungefiltert (was ich nie täte bzw. wenn doch, dann so, daß man sagen kann: die Wahrheit glaubt einem doch kein Schwein), dann würde ich mitleiderregend wirken oder so klebrig, wie diese Haargelprobe (siehe oben) sich sicher angefühlt hätte.
Was mich im Moment auch behindert: man kann leider nicht gleichzeitig schreiben und die optischen Effekte von iTunes auf sich einwirken lassen. Da muß Apple noch mal ran. Möchte jetzt nicht wissen, wovon ich dann träume.
"Some rich men came and raped the land ..." (Last Resort, Eagles) habe ich gerade in den Ohren, denke sofort an Flori Gerster und ärgere mich auch sofort darüber, daß ich mir selbst, kurz vor bedtime, mit solchen Assoziationen eine Hyperacidität beschere.


Mittwoch, 10. Dezember 2003

ich hatte und habe viel mit Frauen zu tun und verstehe deshalb nichts von ihnen.

Gerade, als ich auf einem dunklen BurgerKing-Parkplatz drei junge Mädchen beobachtete, die die vordere Haube eines VW-Käfer mit lautem Getöse ca. 15 Mal vergeblich - weil erstens seitlich verkantet und zweitens in ein festgeklemmtes Haubenschloß führend - zu schließen versuchten, bin ich - typisch "ich darf mal, ja?" - freundlich beigesprungen, habe aus meinem Fahrzeug die immer griffbereite Spraydose mit Spezial-Gleitmittel auf Silikonbasis geholt, das Schloß gefettet, den Seilzug gerichtet, die Haube auf Anhieb sanft geschlossen, anschließend den von den jungen Damen in einem Lüftungsschlitz(!) des Autos verstauten Chip für die Parkplatzschranke gesucht (natürlich vergeblich), anschließend eine der Jungfrauen zum Restaurantchef begleitet, von Mann zu Mann den Sachverhalt erklärt (kurze, klare Sätze, wissendes Nicken) und erfolgreich darum gebeten, die drei Kinder ohne 20-EURO-Tagesparkstrafgebühr vom Hof fahren zu lassen.
Ich hatte einfach Mitleid mit dem VW-Käfer.
Das war natürlich typisch männlich und das war natürlich deshalb völlig falsch.

Aus einem ganz anderen und deshalb sehr ähnlichen, mehr persönlichen Anlass habe ich heute mit einem Fachmann über das Thema "Frau und Mann - wo stehen sie? Wo wollen sie hin? Und wenn ja, warum nicht?" gesprochen (er ist gläubig, hat spät geheiratet und nur eine Frau und hat deshalb den Überblick behalten; bis auf manchmal, aber das tut nichts zur Sache, dann reden wir über andere Sachen, von denen wir beide nichts verstehen.)
Er hat mir erklärt, warum Frauen häufig sagen "Du hörst mir nicht zu!" und dann weinen und Männer eine VW-Haube nach der anderen zuschlagen, plötzlich brüllen "was soll ich denn noch tun?" und dann mit ölverschmierten Fingern in Bars herumsitzen und fremden Nachteulen auf die Bluse sabbern:
Männer glauben, daß es für jedes Problem einen Schraubenschlüssel gibt. Meistens haben sie immer drei davon griffbereit. Wenn nicht, gehen sie kurz zum Baumarkt und kommen nach drei Tagen mit einem Bohrmeißel wieder.
Frauen jammern häufig und gerne, über die Preise, über die Arbeit, über die Kinder, über ihr kleines Auto, über jeden Scheiß alle wesentlichen Dinge, die die Welt bunt und unordentlich machen - und erwarten (attention, please) weder Hilfe, noch finanzielle Unterstützung, noch Silikon-Spraydosen, noch einen Plan, noch jemand, der ihnen den Seilzug oder die Haube oder sonstwas richtet.
Sie erwarten etwas anderes: eine Art Klagemauer, die sie ansprechen können, stundenlang.
Und die Klagemauer muß ÜBERHAUPT NICHTS TUN – vor allem NICHTS TUN!
Keinen Plan haben, kein Werkzeug, keine Haube zuschlagen.
Die Klagemauer muß einfach da stehen (oder sitzen oder liegen) und stillhalten und das alles in sich aufnehmen.
Und irgendwann (viel später) ganz kurze, möglichst einfache Sätze sagen, aufrichtig und aus tiefstem Herzen, natürlich – zum Beispiel: "Ja, Liebes, es ist unglaublich, wie die Preise gestiegen sind" oder "Absolut richtig, Schatz, Du rackerst Dich ab und niemand dankt es Dir" oder "Genau, das mußt Du Dir nicht gefallen lassen".
Das ist die Aufgabe von Klagemauern und hilft den Frauen, sich verstanden zu fühlen, geliebt zu fühlen. Das ist der Königsweg zum Glück. Oder sogar zu einem warmen Essen.
Für den Fachmann heißt die Aufgabe der Klagemauer:
"empathische Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte".
Für den normalen Durchschnittsmann ist nur wichtig zu behalten:
Ich bin die Klagemauer – wenn ich an diesem Ort noch lange stehen, sitzen oder liegen möchte, geliebt, geachtet, in Frieden und ohne einen Knall zu kriegen, merke ich mir das (und laß' meine Pläne und mein Werkzeug im Kofferraum).


Dienstag, 9. Dezember 2003

aus meiner mail (thanks, F.!) ein Bonmot, das ursprünglich von 'Arald Schmidt stammen soll:
"Mich stört eigentlich bei Fitness-Studios weniger der Lärm der Maschinen in dem Moment, in dem ich den Saal betrete, als vielmehr das Gestöhne der Frauen:
Hach, dieser Körper..."


Freitag, 5. Dezember 2003

wie ich erwähnte, gibt es keine Gesunden - nur Leute, die sich nicht lange genug untersuchen lassen.
Dazu gehöre ich nicht - und meine Bemühungen sind erfolgreich, wie ich soeben schriftlich mitgeteilt bekomme:
1) Zustand nach abgelaufener Epstein-Barr-Virus-Infektion.
2) Zustand nach abgelaufener Adenovirus-Infektion.
3) Zustand nach abgelaufener Rota-Virus-Infektion.
Doch, damit kann man leben, gut sogar. Damit leben 95% der Weltbevölkerung.
Weitere Diagnostik frühestens, wenn ich wieder genug Blut gebildet habe, das man mir abnehmen kann; wahrscheinlich würde sonst jetzt eine Anämie festgestellt ...
(Harald Schmidt, "... der bekennende Hypochonder aus dem Schwäbischen ...", ist bestimmt schon ganz neidisch.)


Donnerstag, 4. Dezember 2003

wieder diese bleierne Müdigkeit; pain behind the eyes; es wird Wochenende.
Langweiliger Tag heute; war auf noch mehr Ruhe eingestellt, wurde aber behindert durch zeitgleich dreifach belegte Termine, die ich einer Windows-Software und der Unbeholfenheit der bei mir abhängig Beschäftigten zu verdanken hatte. Ich habe natürlich alle verprügelt, die PCs und die Damen, bin darüber hungrig geworden, hatte Gulasch an Spätzle, habe sofort neue Energien verspürt, die ich in der Bäckerei ausgelassen habe, indem ich nachdrücklich um Benutzung der Gebäckzange gebeten habe, als eine verhuschte Schlampe mir mein Hefeteilchen wieder mit der Hand reichen wollte - keine Lust, mir aus deren ungewaschenen Tatzen noch mehr Parasiten, Saprophyten, Sporenbildner, Bakterien oder Viren peroral einzuverleiben.
Unwirsch Kaffee getrunken, in der MacUp geblättert, die Damenoberbekleidung und synthetischen Stussmannskappen im druckfrischen LandsEnd-Katalog begutachtet, Satzfragmente einer hektisch sabbernden Eingeborenen belauscht ("... wissen Sie, daß mein Mann jetzt schon drei Jahre tot ist ... ?!!"), überhaupt alle nach Glühwein und altem Fett riechenden Leute gehasst, die meinen Weg kreuzten, mit einer Politesse gescherzt, auf dem Klo erkannt, daß der seit Tagen dort einströmende, harzige Geruch eben nicht von einem liegengebliebenen und vergeblich gesuchten Joint, sondern aus einem weihnachtlichen Tannen-Arrangement vor dem Fenster stammt.
Im Grunde enttäuscht nach Hause gefahren und Jon Bon Jovi - mein Gott, wenn ich vor dreißig Jahren mit dem Training begonnen hätte, könnte ich heute auch eine solche Figur haben - in einer Schmonzette über englische Eheprobleme angesehen.


UNTERTITEL
si tacuisses,
philosophus mansisses


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