Donnerstag, 30. Mai 2002
"more than ...


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I heard you

das ist seltsam, einerseits - andererseits: doch nicht.
Zwischen den Zeilen liegt der Weißraum, der eigentlich der besseren Lesbarkeit dient und der sich zugleich anbietet, in Geschriebenes jede Art persönlicher Interpretation zu legen, während man liest oder nachher.
Mir geht das so; ich denke mir immer meinen Teil dazu, wenn ich in einem Weblog etwas finde, an dem ich eigene Sorgen, Gedanken, Sehnsüchte festmachen kann.
Mich kann man zum Beispiel mit Stories über geheimnisvolle romantische Verwicklungen, variantenreich formuliert und angeordnet, zu einem treuen Leser erziehen, mit pfiffigen Ideen und Pointen zu allen möglichen Themen in aufrichtige Bewunderung versetzen, mit Speiseplänen hungrig machen, usw.
Wenn ich von echter Trauer lese, echter innerer Not, von Angst um geliebte Menschen zum Beispiel, dann bin ich auch betrübt, werde stiller und sende (heimlich und leise) ein paar gute Gedanken.
Ich reagiere. Auf meine Weise.
Das ist eine der für mich deutlichsten Nebenwirkungen dieser Art von "Kommunikation ins Blaue" via Weblog: eine spürbare innere, manchmal länger anhaltende, von keiner Spur Objektivität oder hautnahem Kontakt gemilderte bzw. getrübte Reaktion.
Nicht schlecht.
Es war naheliegend, daß es anderen auch so gehen könnte; es geht anderen auch so.
Die im Raum stehende Frage, ob man veröffentlichen darf, was wirklich unter die Haut geht, ist für mich rhetorisch; ich glaube, wer die Kraft hat zu fühlen, wird irgendwann die Stärke haben, diesen Gefühlen auch Ausdruck zu verleihen, schreibend oder in anderer schöpferischer Form, sehr offen oder verfremdet.
Er/sie wird wissen, wann die Zeit und die Geschichte reif sind, wann und wie es angemessen ist; und er/sie wird sein/ihr persönliches Kunstwerk hinschreiben, mit Rücksicht und Takt ja, aber ohne Gedanken an die Resonanz, ohne die nebensächliche Frage, ob das Selbsttherapie ist (was wäre daran falsch??).
Er/sie wird nichts erzwingen wollen, weder der Geschichte, noch sich selbst Gewalt antun. Es muß nicht alles im Leben "große Kunst" sein, es muß nur echt sein, finde ich.
Man kann auf so viele Arten verarbeiten und trauern, wie man sich freuen kann. Und man braucht vor seinen Gefühlen keine Angst haben, auch vor der Angst selbst nicht, sondern nur davor, gefühllos zu werden.

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UNTERTITEL
si tacuisses,
philosophus mansisses


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