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Freitag, 27. Dezember 2002
Monsoon
Bis Weihnachten war ich wohl der einzige lebende Deutsche, der "Mensch" von Herbert Grönemeyer noch nicht im Regal hatte, jetzt ziert das kunstvoll gestaltete Cover auch meine Kemenate. Und an "Escapology" von Robbie Williams stört mich nur, daß man eine hochbrechende Leselupe braucht, um das Booklet zu lesen; ansonsten sind es schon allein die Texte wert, das Album zu kaufen.
Das Geschenk-Highlight aber war defintiv ein schwerer, runder Edelstahl-Geruchsvernichter für den Unterrand meines Schrägspülers, der angeblich lebenslang hält, was er verspricht - mit warmer Hand hingegeben von jemand, der mein Faible für Wohlgeruch und geheimnisvolle Wunder-Artikel aus dem Repertoire der Wochenmärkte und TV-Shops kennt; Testberichte folgen, sobald ich das Teil seiner Bestimmung zugeführt habe, spätestens nach der nächsten Magen-Darm-Grippe. Ansonsten war - meine teure Freundin hatte täglich Frühdienst - Weihnachten so langweilig, daß ich, schlaftrunken gegen 13 Uhr unter einer warmen Dusche die Vereinigung von Körper und Geist suchend, allen Ernstes überlegt habe, ob ich nicht aus der bauchwärts links unten gelegenen kleinen Beule mit etwas Pressen und Husten einen ausgewachsenen Leistenbruch machen oder das Ding einem Notarzt unter der Differentialdiagnose "Bubonen-Pest" andienen könnte; ich habe das aber, wie viele gute und unterhaltsame Ideen, verworfen, ein paar Minuten in den Dauerregen geschaut (wenn ich noch älter geworden bin, lege ich dazu ein Kopfkissen auf die Fensterbank, stütze meine Arme auf, schnappe mit den Hosenträgern und lasse mich als Blockwart vereidigen) und dann in stabiler Seitenlage 30 Kabelkanäle durchgezappt, unter sorgfältiger Umgehung aller Kultursender, um streng am Puls der Zeit zu bleiben, kein Attentat zu verpassen, kein Bonmot für das Weblog, keine irre Idee eines vom Familien-Kaffeetisch geflohenen Politikers, keine Feiertagsschmonzette und keinen Balsam-Essig-Redner von Rang und Namen. Gut gefallen hat mir übrigens diese neue Kachelmann-"Wetterlinie", die meine aufgeweichte Landschaft hier vom Eisregen der BahnCard-Inhaber in liegengebliebenen Zügen abgegrenzt hat. Ich habe ganz zufrieden mein Bäuerchen gemacht, die Heizung hochgedreht und bin wieder eingenickt. Heute habe ich einen Freund (Art-Director, aber eine Seele von Mensch) in seiner Designer-Wohnung besucht und ihn und seine blutjunge, blonde, langhaarige Freundin auf den Knien über das Parkett rutschend vorgefunden; ich dachte zuerst an eine religiöse Umkehr oder an erste spielerische Versuche, vor kompetenten Zeugen den angedachten Krankenkassen-Rabatt für Bewegungsfreudige zu ergattern, es stellte sich aber heraus, daß er gestern Familienbesuch mit zwei Kleinkindern hatte und seitdem weiß, wo sabbernde Unmündige 2000 Styroporkügelchen verstecken können, wenn niemand hinschaut. Er hat mich, ganz unter dem Eindruck dieses Schocks stehend, angefleht, ihn noch heute vorsorglich zu sterilisieren; ich arbeite aber ungern unter gedimmtem Halogenleuchten und auf polierten Wohnzimmertischen und vor allem nie mit einem breiten Kuchenmesser. ... Link Dienstag, 24. Dezember 2002
last minute
ich habe mich immer gefragt, was die Leute Heiligabend um fünf vor Zwölf in die Innenstadt treibt - jetzt weiß ich es: die holen sicher, wie ich soeben, ihre in letzter Minute reparierten Digital-Analog-Wandler ab, legen reichlich EURO-Scheine auf den Tisch, schütteln ein paar Hände und den Kopf, wandern drei Kilometer zurück zu ihrem Politessen-sicheren Geheimtip-Parkplatz, fahren Stop-and-Go zurück nach Hause, verstecken das Auto in der Garage und sich selbst in ihrer Wohnung, schließen alles ab und den Wandler an die Stereoanlage an, testen kurz, sind zufrieden und geben Ruhe.
Auffallend heute: Sonnenschein und +10 Grad im Schatten. Ich freue mich schon auf Hubertus Pellengahr, den Geschäftsführer des Hauptverbandes des Einzelhandels, der hoffentlich, wie zuletzt täglich, in den Abendnachrichten seinen stimmungsvollen Bericht abgeben wird; ich liebe diesen Mann, sanfte Stimme, fest im Glauben, seriös im Auftritt - man weiß hinterher auch nur, daß DVD-Player und Damendüfte der Renner waren "im diesjährigen Vorweihnachtsgeschäft", aber wie das vermittelt wird, das hat was. Und wenn er vom "Endspurt zwischen den Feiertagen" spricht, dann sitze ich ganz klein und bedächtig da und schwöre mir wieder, bis Anfang Januar nur im Notfall vor die Tür zu treten. Unsportlich, aber besser so. Und: Frohe Weihnachten wünsche ich natürlich auch, allen. ... Link Montag, 23. Dezember 2002
schöne Erinnerungen
Museen in Florenz.
... Link Samstag, 21. Dezember 2002
amöbenförmiger Design-Prügel
sehr schöne Geschichte von Malorama.
Ich habe - obwohl Technik-Freak - erst seit zwei Jahren ein drahtungebundenes Festnetz-Telefon, weil ich (paranoid, wie man mich kennt und liebt) felsenfest davon überzeugt war, daß möglicherweise jeder Nachbar über meine Frequenz nach Honolulu telefonieren kann; und jetzt möchte ich es nicht mehr missen, weil es einfach ein schönes, reiches Gefühl ist, aus der Schaumbad-Wanne heraus Gespräche mit einem real existierenden Zuhörer führen zu können. Wenn ich gelangweilt bin oder den Hörer nicht mehr finde, drücke ich an der Feststation auf die interne Ruftaste und lausche und suche das bimmelnde Mobilteil; komme mir dabei immer vor, wie ein debiler Pudel. Das ist auch so ein Symptom dieser Zeit, daß kaum noch jemand Bedienstete in ausreichender Anzahl hat, die derartige Suchfunktionen übernehmen könnten; schrecklich, aber das wird sich jetzt besser lösen lassen mit der Etablierung von schlecht versicherten 400-EURO-Jobs. Vielleicht muß dann auch niemand mehr allein im Schaumbad liegen. Wo ich einmal dabei bin: eine elektronische Wetterstation, die die Luftdruckschwankungen der letzten 24h anzeigt, inklusive der Luftfeuchte und Temperatur, neben dem Datum und der Zeit, die habe ich auch erworben; ist vielleicht der Grund dafür, daß Kachelmann und seinesgleichen aufrüsten mußten und ganz Deutschland mit vom Feuerwehrorchester eingeweihten Wetterstationen überzogen haben, um überhaupt noch mithalten zu können. Und in der Küche hängt der Außentemperaturfühler aus dem Fenster. Jeden Morgen flitze ich - sobald ich die Brille gefunden habe und die Gelenke geschmeidig und koordinierbar sind - einmal rund durch die Wohnung, mache mir ein Bild von den herrschenden Wetterverhältnissen und gebe danach Anweisungen an meinen Kammerdiener, welche Jeans er anwärmen soll. Im Flur hängt ein Rauchmelder (ich rauche auch im Bett ...), den ich einmal testen wollte: als ich das Teil (ca. 40cm davor stehend) zügig eingequalmt hatte und die Sirene sich mit rund 130 Phon meldete, habe ich eine tiefgreifende Persönlichkeitsveränderung durchgemacht; ich krampfe und schluchze seitdem kurz, wenn ich runde Plastik-Ufos mit kleine roten Leuchtdioden irgendwo an Decken hängen sehe und habe immer einen kleinen Vorrat an Ersatzbatterien parat, seit ich erleben durfte, wie der selbstprüfende Apparat mitten in der Nacht - ich darf sagen: recht vernehmlich - meldete, daß seine Energiequellen zur Neige gingen. Übrigens: die Magnetschalter-gesteuerte Alarmanlage der Eingangstür (OBI, damals 49,95.-) schalte ich kaum noch ein, seit eine Nachbarin - eine bis dahin unbescholtene und als umgänglich geltende Frau in ihren besten Jahren - vor Jahren während meiner urlaubsbedingten Abwesenheit zur Versorgung meiner Zimmerflora die Wohnung betreten hat und den Code zur Deaktivierung nicht mehr erinnern konnte... wir vermissen die gute Frau und hoffen, daß es ihr besser geht, wo immer und als was auch immer sie heute leben mag. ... Link
ach, übrigens
Schokolade esse ich am liebsten, wenn sie kalt und hart aus dem Kühlschrank kommt.
... Link Donnerstag, 19. Dezember 2002
Hohn
zwei Zahnputzbecher aus mattiertem Edelstahl der Edelmarke TCM/Tchibo zu besitzen, wenn man überwiegend doch nur einen davon braucht, das kann einen, der strukturiert ist, wie ich es bin, in schöne Not bringen:
was tun mit dem übrigen Teil? Das kann nicht einfach leer im Regal auf bessere Zeiten warten, das wirkt nutzlos, das demonstriert ganz subtil auch etwas (Leere, Einsamkeit, Überfluß?). Tchibo sollte eine Art Gruppentarif einführen - zwei Leute kaufen sich zusammen die Packung und bekommen je einen Becher (wenn dann zusammen kommt, was zusammen gehört, umso besser) - oder einen Zettel mit Ideen mitliefern, als was man den überflüssigen Becher verwenden könnte (Vase, Bierbecher, was weiß ich). ... Link
Dresden
Ausstellung zur Arbeit der Ärzte ohne Grenzen (im Krankenhaus Friedrichstadt).
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Umweltmedizin
ältere Neuigkeiten.
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Better days are coming
und immer schön gesund bleiben - sonst ist Probesitzen in Kliniken und Praxen angesagt.
Ein paar Forderungen, die ich ganz vernünftig finde; und die Ideen der ostdeutschen Kollegen sind auch gut nachvollziehbar. ... Link Mittwoch, 18. Dezember 2002
Narziß & Goldmund
mich selbst beobachtend merke ich, wie ich mit Verletzungen umgehe (ich hasse dieses Wort), seien sie körperlich oder seelisch oder sozial, real oder eingebildet: Rückzug.
Schlagartig. Schlagfertig. Sich zurückziehen aus dem Gefühl des Getroffenseins, sich zurückziehen aus der Gegenoffensive, sich zurückziehen aus der Nähe, aus der Beziehung (ich hasse dieses Wort), aus dem Leben, aus den Gedanken. Kein mauliges Demonstrieren von blutendem Herz mehr, keine Diskussionen (ich hasse dieses Wort), kein psychotriefendes Problembewußtsein (ich hasse dieses Wort) voll künstlicher Dramatik. Wollte, könnte, hätte, wenn, weiß nicht. Ich hasse diese Worte. Zugbrückenhohes Mauernauftürmen. Man geht ein Stück weiter und merkt ohne Affekte, ohne besondere Aufgeregtheit, daß der Weg da vorne etwas enger geworden ist, etwas weniger Abbiegungen, weniger Kreuzungen hat, vielleicht nebliger ist. Man geht auch nicht mehr so zügig, nicht mehr so zuversichtlich; das kann man auf das Älterwerden schieben. Oder auf den Erfahrungsschatz, der manchmal wie ein nasser Schal über den Schultern liegt. Steinrucksack. Fetters and chains. Wenn es innen dann irgendwann so kalt ist, daß es keinen Temperatursprung mehr bedeutet, nach außen zu fühlen, dann ist man fertig; im übertragenen Sinn auch. No pain, no gain. Erst wird alles laut; da lebt es noch. Dann wird es leise, kränkelt verwundert vor sich hin. Und dann die Stille; groß und kalt und prächtig, wie ein Wald im Eisregen, und auch so monochrom. Und man kommt sich vor, wie kurz vor dem Eintritt in eine Zwischenwelt, unheimlich verheißungsvoll. Man könnte sich fast für auserkoren halten, einer Prüfung unterworfen, für einen weiteren Abhärtungsgang vorgesehen in dieser Lebenssauna. Man fühlt sich schon ganz vorne in der Warteschleife und schluckt noch ein Stückchen Volksmund. Es gibt ja am Ende doch keinen Absturz, den man nicht schon kennen würde; und keinen, den man nicht überlebt hätte. Man ist sich selbst für (k)eine Überraschung gut genug. Angst kann wie ein Zweitaktergemisch aus Adrenalin und Endorphinen in den Ohren rauschen. No fear. Willkommen sein, man möchte willkommen sein. Keine Ausflüchte hören, keine Höflichkeiten, keine Maskengesichter. Keine deals. Man möchte seinen Platz haben, hier und da und dort, nicht immer wieder erobern müssen; keinen Kampf um Bleiberechte, keine resignierte Duldung. Menschenwertvoll. Kein kaltes Messer im Rücken, das ganz spitz sagt: ich kann auch anders. Ich kann auch anders. Das kann ich schon, das habe ich gelernt. Ich wollte es nur zu gerne wieder verlernen; es hat sich wohl festgesetzt, unscheinbar gemacht, selbst verharmlost, sich ein Fell über die Ohren gezogen, damit die nicht so wölfisch aussehen. Kreidestimme. Kreidestimmung. A whiter shade of pale. My sail will sail. Auch als Einmann-Boot. Auch leckgeschlagen. A wheel in perpetual motion. Notfalls. Maschinengewehrmundwerk. Wünsch' Dir nicht, das zu erleben. Und wünsch' es mir nicht. ... Link
Wortkontor
jetzt hier - und das ist auch gut so.
... Link Dienstag, 17. Dezember 2002
minus 27.300
wer es nicht hören will, wird es fühlen; das ist nur der Anfang.
... Link
Edelstahl
ich glaube, ich stecke tief drin in irgendwas:
ich habe auf Anhieb zwei Edelstahl-Zahnputzbecher (mattiert, 7,99.-) bei Tchibo ergattert und das Bad damit verschönert, anschließend einen kleinen Weltempfänger daneben gehängt, der mir nun allmorgendlich die bekanntlich durchweg angenehmen Neuigkeiten aus aller Welt ins Gesicht quäkt - und es sieht gut aus. Warum gibt es solche Tage, an denen einfach alles gelingt? ... Link
Ironie
des Schicksals oder was weiß ich: mir fällt heute Abend das Büchlein "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick in die Hände - mal schauen; Leben ist ja Lernen.
Morgen dürfte hier vieles durch Warnstreiks lahmgelegt sein, da ergibt sich sicher die eine oder andere Minute zum Blättern und Üben. ... Link Sonntag, 15. Dezember 2002
I'm a living thing
Im November ist immer sehr viel los; im November, wenn das, was Winter werden will, mit schlechter Laune, schlechtem Wetter und schlechter Gesundheit beginnt, drehen die Leute regelmäßig durch. Probleme, die das ganze Jahr über liegen geblieben sind, die im Untergrund so vor sich hingekocht haben, die müssen und sollen nun noch gelöst werden, die dürfen nicht ins neue Jahr übertragen werden; man macht Krieg oder man macht Frieden, auch mit sich selbst.
Die grippalen Infekte, heutzutage eher Magen-Darm-Affektionen, als Husten-Schnupfen-Heiserkeit, geben allen den ersten Eindruck von dem, was kommt - oder sie geben ihnen den Rest; ich habe es überwunden, erstmal. Wenn man ein paar Tage zwischen Tag und Traum flachliegt, bricht zwar nicht die Welt zusammen, aber der Kreislauf, man merkt, wie routiniert man sonst auf drei Bühnen zugleich tanzt, wie schnell Zeitnot auftritt, wenn man das Spiel nicht mehr mitspielen kann, wie rasch durcheinander gerät, was man sonst leidlich koordiniert hat. Die Teppichboden-Verleger standen plötzlich vor der Tür, mit dem falschen Teppich natürlich, bereit, mit mir den letzten Schritt auf einem fast zwei Jahre langen, zu 90% allein und in meiner Freizeit absolvierten Weg aus einem mittleren Wasserschaden in eine normal renovierte Wohnung zu tun - keine Katastrophe, nur typisch dafür, wie das Handwerk und ich zueinander finden; anschließend war Blut an den frisch gestrichenen Wänden, weil geübte Verleger sich ausgerechnet in meiner Behausung den halben Finger abschneiden mußten, und ein Bilderrahmen und eine Uhr lagen zerbrochen am Boden - die Wohnung ist fertig, ich bin fertig, allerdings auch mit den Nerven. Die berufliche Arbeit wird hektischer, sie wird unangenehmer, sie wird enger. Was da als Gesundheitsreform angekündigt wurde und tagtäglich umdefiniert wird, was da an Veränderungen bereits umgesetzt und was noch angedacht ist, das läuft auf eine Situation zu, deren Konsequenzen jeder erst richtig bemerken wird, wenn die letzte Krankenschwester privatisiert ist und das letzte Krankenhaus geschlossen wurde. Ich habe keine Lust, auf die teilweise absurden Einzelheiten einzugehen, das bleibt alles ohnehin nicht, wie es gesagt wurde, ich möchte nur zitieren, was ich heute im SPIEGEL-TV gehört habe: der Brutto-Stundenlohn eines Assistenzarztes liegt zur Zeit bei EUR 18.- (zu meiner Zeit übrigens bei DM 17,50.-). Am Wochenende, in der Nacht. Meine Teppich-Handwerker haben für die Verlegung des Bodens (pro Quadratmeter und ohne Material natürlich) nicht sehr viel weniger genommen. Und bei meiner Frisörin kostet ein trockener Herren-Haarschnitt exakt soviel, wie der Assistenzarzt in der Stunde verdient. Ich sage das alles ohne die geringste Hoffnung, nicht wieder in den Medien die Totschlagargumente von "Chefarztgehältern" und dergleichen zu hören; das zieht immer in Deutschland, dem Land, in dem u.a. die sozialen Sicherungssysteme erfunden wurden. Chefärzte gibt es wenige, Assistenten viele und Patienten noch mehr. Pflegepersonal, qualifiziertes Pflegepersonal, gibt es bald überhaupt nicht mehr. Die durchschnittliche Verweildauer einer Krankenschwester in ihrem Beruf liegt bei etwa fünf Jahren - und das sicher nicht, weil sie dann einen Chefarzt heiratet; eine Krankenschwester kann, mit regelmäßig vollem Dienst an jedem zweiten Wochenende, froh sein, wenn sie überhaupt heiratet bzw. ihre Ehe hält. Und vor allem: es geht nicht nur um Geld - Geld ist auch bei diesem Thema wieder nur der Dreh- und Angelpunkt, das "Geiz-ist-geil"-Argument, mit dem dem "Verbraucher" an die Eier bzw. ans Kleinhirn gefasst wird. Es geht um die Frage, welche Art von Umgang mit psychisch und physisch Kranken denn noch erlaubt ist, was sich eine Gesellschaft da leistet, die sich sonst alles leistet. Es geht darum, daß systematisch ein System bürokratisiert und kontrolliert wird von Sozialversicherungsfachangestellten (Sofas), die längst bestimmen, was die Oma kosten darf, daß auf diese Weise Unsummen an Geld und Ressourcen verbraten werden, die eigentlich dem Thema Behandlung gewidmet waren, vom Beitragszahler. Es geht um Arbeitsplätze im Gesundheitswesen, in jeder Praxis, in jeder Klinik, Arbeitsplätze, die mit qualifiziertem Personal so zu besetzen sind, daß kein Arzt und keine Pflegekraft mehr 60 Stunden/Woche und in 24h-Schichten dienen müssen. Es geht darum, daß das für jeden zur Verfügung gestellt wird, der hier in unseren blühenden Landschaften Kinder kriegt oder Krebs. Und zum ganzen Rest der politischen Diskussion und Situation möchte und werde ich hier auch nichts mehr sagen, weil ich diese Leutchen nicht noch aufwerten will durch eine Auseinandersetzung mit ihren Äußerungen. Es wird höchste Zeit, die Verwaltung und Organisation eines Staates und damit der Lebenssituation von Millionen Menschen ausschließlich sachlich und fachlich qualifizierten Managern zu übertragen, statt "demokratisch gewählten" Autodidakten ohne definierte Tätigkeitsbeschreibung. Mein kleiner Bruder, seines Zeichens Betriebswirt (aber sonst ganz in Ordnung), behauptet frech, daß wir auf dem Weg in eine Wertegesellschaft seien - ich sage nur: hoffentlich. Hoffentlich fragen sich neben mir noch viele andere, woher denn die versprochenen Riesengewinne durch Aktienspekulationen und der nächste Boom kommen sollten, wenn wir nicht noch mehr für Kinder schädliches Milchpulver in Drittweltländer exportieren können, wozu denn jährlich so um die 3 Prozent mehr Lohn und Gehalt dienen, wenn man bereits drei CD-Player und zwei Autos hat, was "Globalisierung" denn bedeutet, außer, daß Konzerne jederzeit und überall willige und billige Arbeitskräfte bekommen können, der große Rest der kleinen Menschen aber, auch in den sogenannten zivilisierten Ländern, nach und nach eine neue Klassengesellschaft erleben wird, in der die Enklaven derjenigen, die besitzen, sauber abgeschirmt sind von den Ghettos derer, die reihum rekrutiert werden, für das Fließband oder für Kriege um Ölfelder und Einflußsphären. Nicht nur Gesundheit wird ein immer kostbareres Gut werden, auch Arbeit; Arbeit, die nicht nur Lohnerwerb ist, sondern das Leben strukturiert, die Zugehörigkeit bedeutet, die sinnvoll ist - manche werden davon immer mehr haben, manche nichts mehr. Es ist alles bloßes Gerede geworden, die Fragen nach Leben und Inhalt und Sinn, die Antworten darauf. Es ist alles nur noch eine Schallwelle ohne Informationsübertragung, die durch immer dünner und dreckiger gewordene Luft das Ohr von Menschen erreicht, die verlernt haben, sich abzugrenzen und zu wehren gegen den Schmutz, ausgelaugt von ihren Tages- und Lebensläufen, ruhiggestellt mit Panem et Circenses in Form von Fertigpizza und Boxkampf-Übertragungen. Und jetzt, nach meiner kurze Pause, jetzt, wo ich das wieder hinschreibe, merke ich, wie sehr es mich anwidert; das Denken, das Formulieren, das getriebene Rädchen zu sein im Getriebe. I'm a living thing - und das sind nur Fingerübungen. ... Link Freitag, 13. Dezember 2002
Östrogen, UV-Licht, Holzstaub
mit Vorsicht zu genießen: Liste von nachweislich und vermutlich Krebs auslösenden Stoffen.
... Link Mittwoch, 4. Dezember 2002
a la recherche de la flore intestinale perdu
ich antworte Dir: es ist nichts los - vielleicht ist es gerade das.
Oder: zuviel ist los, was man nicht los wird. Und in der Tat sind Magenschmerzen gerechtfertigt, so sie denn, wie zur Zeit bei mir, durch das Norwalk-Virus verursacht werden. Ich habe vier Tage sehr flach gelegen, jetzt stehe ich schon in einem Winkel von 45 Grad ... Essen und Trinken waren kein Thema, waren nicht möglich; vier Tage nur schlafen und sich wundern, daß Menschenbeine aus Weichgummi einen tragen können. Drei Meter weit. Es geht inzwischen langsam wieder, sogar die Arbeit geht wieder. Immerhin sind 3 Kilo weg; jetzt stehe ich in der Landschaft mit 81 kg bei 181 cm Körperhöhe, was eine Karriere als Senioren-Model näher rücken läßt. Man muß sehen, wo man bleibt. Dann ist da plötzlich ein Loch im Denken und keine Lust mehr auf meine Frisörgeschichten. Die Arme sind ganz lahm vor der Tastatur, die Gedanken so allein, das Hirn so voll mit anderen Dingen und der Schalk sitzt nicht mehr im Nacken, sondern hat seinen müden Kopf in meinen Schoß gelegt und schweigt. Und ich möchte sagen: "ich möchte ..." - und werde stumm und weiß nicht mehr, was ich gerade wünschen wollte. Dann fällt es mir ein: ich möchte mir wieder neue Ziele setzen; wieder mit Gedanken spielen, bis ein gutes Spiel daraus geworden ist. Und das dann spielen. Das Leben soll wieder eine bewegende, weite Landschaft sein, nicht so geronnen und entstellt. Muß nur noch ein paar neue Farben auf die verwitterte Palette geben; ich freue mich darauf. Nichts ist wichtig. Alles zählt. ... Link Dienstag, 26. November 2002
feature, not a bug
als mich vor Tagen der Kontrollzwang mächtig gepackt hatte - ich muß mir das mit den Hormonen nochmal überlegen - und ich wissen wollte, wieviele Stories ich erfunden habe, insgesamt, und als mir dann auffiel, daß es mühsam ist, sich durch die Zehnerpacks von Seite zu Seite zu hangeln, womöglich mit einer Strichliste neben der Tastatur, da habe ich einfach einen Punkt bzw. einen Leerschlag ins Eingabefeld der Search-Box gesetzt; einen Punkt oder einen Leerschlag beinhaltet wohl jede Story. Klappt; Ergebnisse innerhalb von Sekunden, wie es unsere Zeit fordert.
Also, irgendwie hat sich das Abitur doch gelohnt. Zur Erholung habe ich dann später an ein paar Perserteppichen die Fransen sorgfältig gekämmt. ... Link
better late than never
"coming"...
... Link
Konsum
wieviel & für was; finde ich spannend.
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