Freitag, 27. Januar 2012
schlaflos im Wohnzimmer

was man da gestern wieder bei der Frau Illner und dem Herrn Lanz talken gesehen hat, das ist medikamentös kaum noch abzufangen.
Ich fand die junge Piratin ganz schön und natürlich den nimmersatten Oskar Lafontaine, der wieder ganz frisch vorne mitparliert, seit er diese junge Kommunistin mit dem ewig ernsten Gesicht und den tollen schwarzen Haaren lieben darf.
Ich persönlich pflege ja in der Auswahl meiner parlamentarischen Repräsentanten ganz und gar den Tyler-Brûlé-Stil: auf die Hülle kommt es an!
Übrigens ein wahnsinnig gut aussehender Mann, dieser Tyler Brûlé; was man von den gezeigten Lobbyisten z. B. wirklich nicht behaupten darf (wer hat die eigentlich heim ins Reich geholt? Na!)
So, wie auch immer, zur Sache:
ich überlege, in die Piraten-Partei einzusteigen. Noch vor Karneval.
Sozusagen als Quoten-Opa, als Senior Consultant, natürlich mit der späteren Option auf Gesundheitsminister.
Ich bin medizynisch leidlich qualifiziert, habe ein MacBook Pro, weiß, wie ich ein WLAN manipulieren kann und habe e-mail und Twitter. Da könnte ich doch unseren Anhängern und den Parteigenossen, die, wie ich, alle den ganzen Tag im Internet 'rumhängen, einfach nach und nach die Beiträge meines Weblogs einspielen, als Zweitverwertung und womöglich als politisches Statement, das parteiübergreifend wirksam wird.
Außerdem wollte ich schon immer mal in meiner Wanderhose im Bundestag 'rumlaufen.
Bei einem Spendenlimit von € 10.000.- gibt es da zwar nicht viel zu wulffen, aber ich glaube, ich würde gut in eine Gruppe passen, die Menschen mit ADHS und Burn-Out-Syndrom eine Chance gibt.

Zwischendurch habe ich mir "Hangover, Teil 2" gegeben und möchte warnen: wie immer wird eine gute Idee und ein lustiger Film nicht dadurch besser, dass man ihn einfach nochmal dreht und die gleiche Geschichte nur örtlich verlegt erzählt.
So, wie man selbst doch eigentlich immer wieder die gleichen Geschichten wiederholt - jedenfalls, bis man sie verstanden hat - und dabei auch nur die Statisten austauscht.

Nichts wird wirklich besser, aber man lacht doch.

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Donnerstag, 26. Januar 2012
aus meiner e-mail

"...man muss den Glücksbedarf entkernen...".
DAS ist ein Satz, zu dem ich Nicken kann.
Danke schön, schöne Frau; ich denke an Dich und freue mich, wenn das, das besser ist, als nichts, unerwartet ein schöner Hauptgewinn wird.
Und Du weißt ja: auch Männer sind nachwachsender Rohstoff...
Hope to meet you in spring or summer, "I can still recall our last summer, I still see it all, walks along the Spree, laughing in the rain, our last summer, memories that remain..." (ABBA-Lyrics, abgewandelt).

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Philosophie

die Grundfragen der Menschheit sind und bleiben:
Woher kommen wir?
Wohin gehen wir?
Und was gibt es heute zum Mittagessen?

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Mittwoch, 25. Januar 2012
Abnehmen

wir (pluralis majestatis) haben nicht nur Maischberger zum Thema gesehen, wir haben neuere Studien für Medizinmänner gelesen, wir haben mit vielen Menschen gesprochen, die für jedes verlorene Kilogramm Körpergewicht sehr viel Geld bezahlen, sich Bauchfett absaugen, Magenbänder einlegen oder ähnliche Torturen antun lassen.
Und die aktuelle Wahrheit ist wohl immer noch bzw. inzwischen wieder:

1. der BMI ist ein sehr umstrittenes Konstrukt, was das "Normalgewicht" und die Gesundheit angeht.
Interessanterweise haben Menschen mit moderatem Übergewicht sogar die längste Lebenserwartung.
Es ist also die Frage erlaubt, ob (bzw. ab welchem Gewicht) Abnehmen überhaupt sinnvoll ist.
Da wird in Zukunft sicher noch über das Thema "individueller Set-Point" zu reden sein.

2. keine einzige Diät ist "von selbst" dauerhaft wirksam.
Nach anfänglicher Euphorie und verbunden mit dem Gruppenerlebnis des "Bekehrten" geht manches; sobald man auf sich allein gestellt die teilweise rigiden Vorgaben umsetzen soll, kommt das Körperfett doppelt und dreifach zurück (Rebound).
Viele Diäten sind als gesundheitlich bedenklich eingestuft.

3. Menschen mit extremem Übergewicht haben nicht selten schon sehr früh im Leben psychische Traumata erlitten, die zeitgleich mit den Bemühungen um ihren Körper begleitend therapiert werden sollten.
Warum denn beim Essen weinen?

4. es gelten im Grunde zwei Regeln: FdH und FdR.
Friss' die Hälfte und Friss' das Richtige.
Nur durch schlichte Kalorieneinsparung bei der Zufuhr (weniger ist mehr) bzw. deutlicher Steigerung des Kalorienverbrauches (ora et labora) greift der Körper auf Fettreserven zurück bzw. legt keine neuen mehr an.
Und hinsichtlich "das Richtige" kann man die Empfehlungen der Ernährungswissenschaften verinnerlichen. Da geht es immer um Ausgewogenheit und Salat und Obst, wenn sich auch ab und zu die Meinungen hinsichtlich der Portionen verschieben.

5. wer auch sonst im Zeitgeist schwebt und sich gerne coachen läßt, kann sich einen vernünftigen Überblick über das Was, Wann, Wieviel bei Food-Coaches verschaffen.
Und (Untertitel) "Free your mind - and your fat ass will follow" lesen.

6. Ausstrahlung und Erotik:
wenn ich mich entscheiden müsste zwischen
a) einem anorektischen Model und
b) einer Frau mit extremem Übergewicht
würde ich
c) nehmen.

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Dienstag, 24. Januar 2012
@D.

Ach, D., ich habe es selbst gemerkt, wie hart und böse ich schreibe, manchmal, wenn es hart und böse ist; keine Texte für Dich, keine Texte für die geliebten Frauen - lass' sie hier, bei mir, woher sie kommen und wohin sie gehören.
Ich bin ab und zu auf einem untergehenden Schiff, ein Kreuzfahrer, dessen Rettungsring an einer sehr langen Leine hängt, ich friere in meinem Winterpelz und lecke die Wunden, Salz auf der Zunge, Salz auf den Wegen.
Draussen sehen die Menschen aus wie Ertrunkene, blass und verschwommen, als hätten sie alle den endlosen Regen aufgesogen, der auch mir in die Knochen gekrochen ist.
Manchmal ist da ein Schrei - und manchmal ist das eben meiner.
Du bist nicht gemeint, niemand ist gemeint, der hier ist, den wir sehen könnten.
old stories are haunting me

Ja, ich freue mich auf das Frühjahr.
Darauf, dass ich durch den sich verziehenden Regen wieder die Auferstehung der schönen Frauen sehen kann. Manchmal höre ich jetzt schon kurz das Klacken der hohen Absätze durch die Parkhäuser hallen, und sofort erscheint mir wieder die Vision der jungen Venus, die sich tänzelnd vor dem schräg einfallenden, fahlen Licht des Ausgangs bewegt; ich meine, sie trägt jetzt Kaschmir und hat die Haare hoch gesteckt.
Eines Tages wird sie stehen bleiben, sich lächelnd zu mir umdrehen; sie wird mich in eine Ecke führen, mit langen Fingern mein Haar kräuseln und mir einen Kuss geben, bevor sie mich und sich in den Tag entlässt.
Eine kleine Wolke ihres Winterduftes wird bleiben.

Weißt Du noch, wie wir zusammen Eis gegessen haben?
Dass Du sogar an Getränke gedacht hast, die ich mag?
Wie wir die Gegend erkundet haben um uns herum, über High Heels und die Liebe und die Kinder gesprochen haben?
Und wie ich Dich sanft umarmt habe, als ich gehen musste?
Fühl' Dich umarmt, jetzt.
...und wäre jetzt gern bei Dir. Sehr gern würde ich etwas für Dich tun, Dir eine Zeitung mit guten Nachrichten kaufen, Frühstücksbutter aus Deinem Mundwinkel küssen... (Meckel, "Licht")

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neues Ärgernis

die eiskalte Klobrille in der Personaltoilette, über der das zur Entlüftung geöffnete Fenster seit 8 Stunden die zunehmende Kälte einlässt; schön, dass Methan und Schwefelwasserstoff entweichen konnten, nicht schön, sich mit den nackten Beinen auf das gefrostete Plastikteil zu setzen. Sphincterspasmus droht.

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one for all

im Konflikt zwischen ästhetisch zierlicher Darstellung einerseits und klarer Lesbarkeit auch bei zunehmender Diagonale und höherer Auflösung der Monitore, sowie auf dem iPad und dem iPhone im Hoch- und im Querformat andererseits, bleibt manche gute Design-Idee eines Layouts hängen, vor allem, wenn man sich selbst mit Brille vor das jeweilige Display setzt.
Letztlich geht es um den Transport einer in Textform vorliegenden Aussage; und Text in z. B. hellgrauer Farbe und in z. B. 9px-Schriftgrösse ist nicht nur für Presbyope eine Zumutung, weil die doch eigentlich dem Inhalt die volle Aufmerksamkeit widmen und nicht ihre Interessensenergie auf der Suche danach vergeuden sollten.
Die immer noch bei einigen, Gott sei Dank zunehmend verschwindenden, Browsern erkennbare "proprietäre" Interpretation der sorgfältig formulierten HTML-Vorgaben macht das Leben nicht leichter.
Wie auch immer: ich suche hier gerade mal wieder nach einem ästhetischen Layout, das der Grundregel "form follows function" genügt.
So, wie es jetzt ist, dürfte es auf den mobilen Endgeräten (beim iPhone sogar mit der automatischen Vergrößerung des Haupttextes auf lesbare Schriftgrößen) und auf Monitoren >19-20 Zoll zu handhaben sein, ohne auszusehen, wie ein Kinderbuch.

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Freitag, 20. Januar 2012
Rollenspiele

ich kann einfach den Mund nicht halten: von geschätzten Mitgliedern der Weblogszene über SPON-Schreiber, in den Postillen beim Frisör, in persönlichen Diskussionen - überall fallen wieder die "neuen Männer" ins Frühjahrsloch.
Gerade ist also wieder der direktiv auftretende Typus gefragt, der im Zweifel sagt, wo es langgeht. Da habe ich ja beste Chancen.
Ich sage doch seit 35 Jahren, dass eine wirklich emanzipierte Frau nie über Emanzipation reden würde - sie ist es einfach, emanzipiert. Und braucht nicht alle sechs Monate eine Beziehungsumorientierung nach dem jeweils gerade gültigen Männerbild; sie ist mal allein, mal nicht, und wenn sie einen Mann hat, fragt sie sich nicht alle fünf Stunden, ob er genügend Macho oder Softie ist.
Und ich sage seit langem, dass gerade die Damen, die ohne die tägliche Portion emanzipatorischer Rollenspielchen nicht auskommen und im Kreis der FreundInnen mal Maulhure, mal Gouvernante spielen, fast nahtlos am Klischee kleben, nach einiger Zeit die schlechtesten Verhaltensmuster angenommen haben, die von Männern bekannt sind, sich über Winter gerne den Strickjackenträger mit eigenem Kräutergarten halten und spätestens im Sommer die devote Sozia des ungewaschensten Machos sind.
Die Entdifferenzierung der Geschlechterrollen hat eben leider auch eine gewisse Lustlosigkeit mit sich gebracht; ein ewig über Gleichstellung mitdiskutierender Mann, der nach der Rückenschule gerne mal in der Männergruppe im Tipi schwitzt, ist ebenso langweilig, wie die patente Frau nicht allein dadurch attraktiver wird, dass sie bei OBI zielsicher den richtigen Schraubendreher zur Einstellung der Venturidüse am Durchlauferhitzer findet.
Ich musste immer schmunzeln, wenn meine intelligenten und schönen und sehr sicher alltagstauglichen und selbstbewußten Freundinnen, deren Ehen und/oder Langzeitbeziehungen sich plötzlich auflösten, nachdem die niedlichen Püppies mit zwei linken Händen den Blick des Partners gekreuzt hatten, plötzlich wieder die Kosmetikerinnen, Frisöre und Parfümerien frequentierten, das Kaminholz wieder von einem Mann hacken ließen, Dessous nicht mehr unter politisch korrekten Gesichtspunkten auswählten und nicht mehr in Crocs zur Party gingen.
Und mir ist noch nie ein Zacken aus der selbsterfahrenen Krone gebrochen, wenn ich in fremder Behausung mal rasch den angerissenen Duschschlauch gewechselt und ein loses Scharnier befestigt habe.
Und mit ölverschmierten Händen aus dem Keller zu kommen und der hübschen Frau am Herd, von hinten sich nähernd, in den Nacken zu küssen, macht mir Spaß.

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Donnerstag, 19. Januar 2012
Aufrüstung

ich brauche das nicht, wahrscheinlich wird alles bald in der Schublade liegen, aber es hat blinkende tolle Dioden, muss dauernd geladen und vor allem konfiguriert werden, also musste ich kaufen:

1. eine zweite AirPort Express-Station, um die Musik vom iPhone und vom iPad nicht nur über den Mac, sondern auch über die NAD-Stereoanlage einerseits und die im Schlafzimmer befindliche Yamaha-Anlage anhören zu können.
Leider habe ich nach 7 Stunden vergeblicher Konfigurationsbemühungen so gegen 2 Uhr nachts nur erreichen können, dass es im Wohnzimmer laut aus den Boxen brüllte, während ich im Schlafzimmer war, dann das Arbeitszimmer plötzlich beschallt wurde, als ich im Wohnzimmer nach dem Rechten sehen wollte, dann das Netz zusammenbrach, dann usw... ich habe darauf gewartet, dass verschlafene Nachbarn mit Äxten Zugang zur Wohnung suchen könnten, aber die hören ohnehin nix mehr.
Mir wurde es dann zu laut und ich habe viel Valium genommen und den Strom abgeschaltet, mit dem Erfolg, dass ich vom stromlosen Wecker nicht rechtzeitig geweckt wurde und wildeste Träume von einer vollschichtigen Tätigkeit als LAN-Experte hatte, als andere schon im Büro zur Ruhe gekommen waren und die Fettbemmen ausgepackt hatten.

2. einen HUAWEI E5-Mobil-WLAN-Router, der mittels SIM-Karte über 3G ein WLAN-Netz provided und gleichzeitig 5 Leuten mit ihren WLAN-fähigen Endgeräten Zugang zum Internet gibt! Na?! Ich kann jetzt, da mein Mac, mein iPhone und mein iPad selbst 3G und WLAN haben, jedes Gerät sozusagen gleichzeitg und doppelt geroutet ins Net schicken - das gibt mir doch letztlich auch die Sicherheit, dass ich sogar, sagen wir mal: auf einem Dixie-Klo in Solingen-Ohligs, mitten in der Nacht eine von den beiden e-Mails, die ich mal im Dezember bekommen habe (SPAM-Filter, sage ich nur) gleichzeitig auf zwei Endgeräten bearbeiten und dabei Musik hören und surfen kann.
Der Verkäufer beim Apple-Händler meines Vertrauens hat sich bekreuzigt, als ich das Teil einpackte, hat angefangen zu heulen und wollte Bargeld sehen, dabei habe ich dieses Schmuckstück asiatischer Elektronik via Browser innerhalb weniger Sekunden ans Laufen gekriegt.

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Dienstag, 17. Januar 2012
peut-être que je t'aime

gallieni

(Übrigens habe ich dort auch eine Frage für Callcenter-Girls, die es vom Verbraucher genau wissen wollen, gefunden:
"Behalten Sie beim Masturbieren die Brille auf?"
Und übrigens sollten Sie sich dort länger aufhalten und lesen und schauen; es lohnt sich.)

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Callgirl

Gestern Abend auf eine Telefonumfrage zum Thema "Verbraucher-Verhalten" eingegangen, denn ich liebe es, mit ganz jungen Callcenter-Girls zu sprechen, die immer so gehetzt keuchen und ohnehin ihr ganzes Berufsleben darauf eingestellt sind, Absagen zu bekommen; ich lasse dann so meinen inneren Menschenfreund 'raushängen und antworte rasch und ganz lieb.
Es waren aber auch Fragen, die sich mir zwar im Zusammenhang nicht gänzlich erschlossen haben, die aber wahrscheinlich für die deutsche Wirtschaft und Politik wahnsinnig wichtige Entscheidungen möglich machen.
Wann ich zuletzt einen Container für Bauschutt bestellt hätte?
Wahrheitsgemässe Antwort: noch nie. Die sind mir zu teuer, und ich fahre lieber in den Wald und schütte da kleine Wälle gegen die grosse Flut auf.
Wann ich zuletzt eine Autowerkstatt aufgesucht habe?
Na, da hatte die Dame einen wunden Punkt berührt! Freitag, habe ich gebrüllt, Freitag, sogar zweimal!
Wann ich zuletzt einen Anwalt gebraucht hätte?
Noch nie, aber ich arbeite daran.
Wann ich zuletzt im Reisebüro war, wer mir dazu Tips gegeben hätte, wann ich wieder mal verreisen wollte, wohin, gegen wen, mit welchen Motiven?
Waren Sie mal im Elektrofachhandel, wissen Sie, was Grütze ist, wo würden sie Rosinenkuchen kaufen?
Bevorzugen Sie eine bestimmte Apotheke, und wenn ja, wer hat Ihnen den Tip dazu gegeben? Das Internet, das Radio, eine Stimme aus dem Wasserhahn?
Fühlen Sie sich durch die Gelbe Tonne unter Druck gesetzt?
Welchen Preis würden Sie maximal für eine Blinddarmoperation bezahlen wollen?
Spülen Sie Plastikmüll, bevor sie ihn auf die Strasse werfen?
Sind Sie für oder gegen Süßstoff im Zucker?
Und so ging es rasch vorwärts, die Dame war bald am Ende, und ich bin jetzt gespannt, wieviel Punkte ich bekommen habe und ob es eine Einladung zu einer verbilligten Kreuzfahrt gibt.
Daumen halten!

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Montag, 16. Januar 2012
it's love's illusions I recall

Enge - aus der Undefinierbarkeit des betrachteten Verhaltens in der laufenden Beziehung, mangels konkreter eigener Erfahrung mit derartigen Abnormalitäten in meiner persönlichen Vergangenheit, verbunden mit einer nun ganz offensichtlich romantischen Haltung und naiven Ideen über die Unterschiede von Mann und Frau im Umgang mit Sexualität und Bezogenheit, haben sich starke Affekte entwickelt, Aufruhr und vor allem anderen eine große Angst vor dieser Frau und vor ihrem Tun, im Bewusstsein, dass Menschen sich (in grundlegenden Dingen) nie ändern.

Eine Frau, die zwei Ehen in den Sand setzt, nicht nur innerhalb der langjährigen Beziehung zwischen diesen Ehen den Kontakt mit anderen Männern sucht und kurz vor der ersten Nacht mit diesen Männern ihren Partner telefonisch über das Bevorstehende informiert, ohne weitere Konsequenzen die "alte" Verbindung fortsetzt, weil der Neue nur Schaum und Schlag war, sich dann wieder trennt, als sie einen sozial und beruflich höher stehenden Mann mit Adelstitel an die Angel kriegt, und bald und fortgesetzt mit diesem Mann gemeinsam eine "offene Ehe" führt mit abwechselnder Betreuung dreier Kleinkinder, die so nach und nach bei dem Treiben anfallen, mit höflichem Weiterreichen des Telefonhörers über den Familientisch, wenn der Anrufer der aktuelle Lover des anderen ist, unter Beibehaltung des innerehelichen sexuellen Austausches, der sich sogar, stimuliert durch die parallel laufenden Fremdverhältnisse, intensiviert; die neue Lust, den Schwanz ins Fremdsperma zu tauchen.
Ausgang, wie vorhersehbar: die Frau kriegt von diversen Arschgeigen müde Nümmerchen und Geschwafel vom "Lichtorgasmus", bevor sie ganz rasch wieder auf die Strasse und in den Zug nach nirgendwo gesetzt wird, der Mann entdeckt bei einer seiner Gespielinnen, dass deren Oberweite deutlich größer und vor allem weniger vom Kinderstillen ausgelutscht und faltig ist, als bei der Mutter seiner Kinder, und nennt das Liebe und kassiert, bald wieder verheiratet, den Ortszuschlag mit der neuen Mutze.

Gutsituiert alle, die die direkten Teilhaber des umtriebigen bunten Lebens waren, mit andern, neuen Pritschen versorgt, die sie aus deren Ehen 'rausgebrochen haben, immer so scheißfreundlich nach außen hin, unberührbare Existenzen, öffentlich bedienstet, politisch im Zeitgeist; ich werde dort hinterrücks zur Kenntnis genommen, mit milder Ironie nicht gegrüßt, ich bin der Nachfolger des Nachfolgers des Nachfolgers, letztlich wohl nicht einschätzbar für die teiggesichtigen Landeier und grotesken Späthippies, eine Art Resteverwerter und Entsorger der Folgen der Melodramen, mit denen sich feige und widerwärtige Möchtegern-Swinger die Nülle vergoldet und die innere Leere gefüllt haben.

Die seelische Beschädigung der auf allen Seiten vorhandenen, insgesamt sechs, Kinder wird geleugnet bzw. als Kollateralschaden auf dem Weg zur sexuellen Selbstfindung in Kauf genommen, und ich erkenne, ohnmächtig vor Wut, dass das affektierte und leider sehr zerstörerische und Folgekosten-intensive Herumschlampen anspruchsvoller Oberschichtbürger heutzutage mit ebensolcher Gleichgültigkeit und völlig ohne Sanktionen hingenommen wird, wie kinderfickende Pfaffen und korrupte Politiker.
Hätte ich gewusst, dass das so geht, wäre ich der Vater einiger nichtehelicher Kinder, die mein Genom in die Zukunft tragen würden, gerne zum Minimalunterhalt, weiterhin geachtet, weiterhin vögelfrei, z. B. mit einer russischen Au-Pair liiert, die für eine Aufenthaltserlaubnis in D-Land vor nichts fies ist, den Porsche gewulfft, mit fremdgehenden Ex-Ehefrauen versorgt, die den Preis für ihre und meine Blödheit zahlen.
Lebenslang.
Die völlige Selbstauslebung, the permanent pursuit of happiness, ist der einzige Maßstab in einer Gesellschaft, in der jeder, der sich in Anerkennung von Struktur und Rücksicht an einfache Regeln hält, schon als Langweiler und Verklemmter, letztlich Dummer apostrophiert wird.

Diese Frau zeigt keine Gefühle und keine Reaktion, fast stolz berichtet sie von ihren Verhältnissen mit Baronen und Bauarbeitern, umstellt von Freundinnen, die ebenfalls parallel ihre Großfamilien durch einen Part-Time-Lover ergänzen, mit Unverständnis reagiert sie auf die Frage nach Selbsteinschätzung der Motive und der Abläufe mit letztlich desolatem Ausgang, da ist einfach nichts angedacht und nichts zu Ende gedacht, da ist jetzt allenfalls eine kraftlose Bedürftigkeit nach Mittagsschlaf und Vermeidung auch des geringsten normalen Alltags-oder Erziehungskonfliktes.

Hinter all den Kommentaren dazu, hinter aller Aufregung, Wut, Unverständnis, die sich immer wieder anbahnen, die die verzerrte Fratze von eifersüchtiger Streitsucht und neugierigem Wunsch zeigen, auch diese Facette des Umgangs von Paaren miteinander durchdringen und verstehen zu können, verbirgt sich - leicht erkennbar - der Wunsch nach Selbstschutz, der Wunsch, Sicherheit zu bekommen oder zu entwickeln, dass ich nicht selbst derjenige sein werde, der sich unerwartet in einem diffusen Dreieck oder Mehreck von Gespielen wiederfindet, auf Trichomonade komm' 'raus, womöglich per telefonischer Kurznachricht Stunden vor dem Vollzug, gerade bei einer beruflichen Veranstaltung sitzend oder Minuten vor einer unangenehmen Untersuchung beim Urologen, an einem Feiertag, an dem andere in Familie machen. Platziert und vernichtend.

Am ersten Abend mit dieser Frau habe ich getönt: wovor und weshalb sollte ich denn noch Angst haben, wenn ich mich auf etwas Neues, jemand anderen einlasse? Habe ich doch allein in den letzten Jahren zwei mehr oder minder explosive Beziehungsabbrüche durchgestanden, auch sei ich mancher Erzählerin begegnet, die die Lücken im Märchen mit Konfabulationen gefüllt habe, die mich gestählt und wachsam gemacht hätten, kurzum: frisch ans Werk, es gäbe keine Stelle, an der mich das Drachenblut nicht benetzt habe!
Als hätte ich jemals etwas verstanden, als hätte ich je geahnt, wie bunt und weit durchgebogen die Palette der Beziehungsgestaltung tatsächlich ist.
Ich als das männliche Betthäschen mit dem Plappermäulchen und den Plüschohren und einem großen Batzen sentimentaler Naivität, irgendwie schön rührend, irgendwie ganz schön lächerlich.

Und längst erkenne ich, zuletzt unter ihrem leisen Lächeln: oh doch, tief drinnen, du weißt es selbst, sitzt der Schmerz und die aus permanenter Abwehrhaltung gespeiste Verspannung, die dich zeigt, wie du bist: voll Angst, voll Bewusstheit, dass du nichts ändern kannst, dir selbst ausgeliefert, vor allem ausgeliefert fremden Geschichten, die andere mit anderen erlebt und anschließend dir ins vorlaute Gemüt gekotzt haben, angeberisch, gefühllos und kalt; da sitzen sie nun und tanzen Ringelreihen und nagen mich auf.

Und die immer trauriger werdende Erkenntnis des Hier-Und-Jetzt und die nur kurz in den Hintergrund geschobene Angst, nur die Plattform gewesen zu sein, auf denen alte Mädchen sich neuen Schwung holen, letztlich Mantel und Degen in die Hand gedrückt zu kriegen und, weniger Narziß als Goldmund, auf den staubigen Weg zu gehen.

Wenn ein Mann in der ersten Nacht das Kompliment bekommt: "endlich mal ein Mann, der das Loch alleine findet", sollte er die Augen öffnen, das Licht anmachen und all die gesichtslosen männlichen Geister, die ihm gerade auf die Bettkante gesetzt werden, die anscheinend das Loch nicht alleine gefunden haben, verjagen, zusammen mit der Frau, die ihn mit diesem Nuttensprech beeindrucken wollte.

Ich habe es nicht getan; ich habe nichts getan.
Das muss ich mir vor Augen halten, um nicht das zu werden, was andere vorgeben zu sein: ein Opfer.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich all die damals für mich noch neuen Geschichten aus dem Vorleben und Leben der ländlichen Haute-Volée einfach so auf mich einprasseln lassen, bereit, alles zu verdrängen und schon wissend, dass mir das kaum gelingen wird, so involviert ich bin.
Bis mir in meiner Garage, noch im Wagen sitzend, die Tränen über's Gesicht gelaufen sind, vor Scham und Fremdscham und so zugerichtet in der Seele von all dem unsäglich primitiven Umgang mit Menschen und Werten und Gefühlen, mit der Liebe, der Zärtlichkeit und mehr, zurückgeworfen in die Erinnerungen an meine eigene Kindheit, als ganz ähnlich strukturierte Machthaber und Rechthaber über meine Leiche gegangen sind, nie zur Rechenschaft gezogen, ewig maulige, selbstgefällige Persönlichkeitsgestörte auf einem lebenslangen Ego-Geltunsgtrip mit schwülen Amouren und drei Scheidungen, zu infantil, mal alleine leben zu können, zu desorientiert, sich in einen durchschnittlichen Ehealltag dreinzufinden.
Vor Ekel geweint habe ich, zugeschmissen mit den ausgeleierten Begriffen dieser Möchtegern-Emanzen, mit denen frau jede Flittchenposse zur politischen Aktion umdeuten zu können glaubt.
Und ich komme mir so klein vor, so besudelt und um etwas betrogen: betrogen um die Illusion eines kleinen, geschützten Bereiches im Leben, für den man Bestandsschutz verspricht.

Si dormir avec toi n'est pas le bout du monde
Ce le devient pourtant lorsque tu n'es plus là

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Freitag, 13. Januar 2012
Freitag, der 13.

falscher Steuerbescheid angekommen - ich habe noch keinen Groschen geerbt und werde schon zur Kasse gebeten; hektische Telefonate mit Finanzamt am Arsch der Welt und Nachlassverwalter dortselbst; wenn Dummheit Pickel machte, würdet ihr alle aussehen, wie Streuselkuchen; später plötzlich Scheibenwischerblätter gerissen, ab in die Werkstatt, nach der Werkstatt in die Waschanlage, bei der Ausfahrt dort Bremsalarm, wieder ab zum Audi-Notdienst, vordere Bremsen abgenutzt, zur Zeit läuft Notfall-Reparatur...
Insgesamt knapp € 300.-
Termin abends verpasst, 'rumgehetzt, Essen verschlungen, Rückenschmerzen bis zum Abwinken, todmüder Sex und dafür obendrein noch bezahlt mit dem Anhören trüber Vergangenheitsamouren - ich scheine tatsächlich ein Schild auf dem Kopf zu haben mit der Aufschrift:
"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."

Gerade im Fernsehen mitbekommen, das neue Wort für die Mitnahme von Gütern, Werten und Vorteilen ohne Bezahlung: "wulffen".
Nach den Spätnachrichten die Idee: ich werde dem Bundespräsidenten eine Kreuzfahrt schenken...

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Donnerstag, 12. Januar 2012
done

weil ich ganz tapfer endlich die mehrstündige Reihe "Rote Erde", vor Jahrzehnten aktuell, aber immer noch sehenswert, zuende angesehen habe, gab es eine Belohnung:
SIEMENS Gigaset SL910, das Telefon unter den Telefonen, satt, schmeichelhaft, schön; problemlose Kommunikation mit dem Mac, Touchscreen und Glanz und Pomp.
Besonderes Feature: zeitgesteuerte Klingeltonabschaltung (Nachtruhe), automatische Abweisung von anonymen (= CLIP-Rufnummernübermittlung ausgeschaltet) Anrufen, wahlweise Unterdrückung von Anrufen aus dem Bundespräsidialamt.

WE-Programm: Ziemlich beste Freunde.

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Freitag, 6. Januar 2012
in der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine

langatmige Diskussionen am Telefon über den Sinn und den Unsinn neuer Pumpen in einem Haus im Überschwemmungsgebiet, in dem nach Jahrzehnten nachlässiger Wartung natürlich die Rohre, in denen abgepumptes Wasser vom Keller zur Kanalisatiion getrieben wird, so verstopft und im Lumen eingeschränkt sind, dass dauernd die elektrischen Sicherungen ansprechen; alles läuft nicht und läuft nicht, bis per Hand gepumpt wird, alles nervt nur, wenn ich einmal am Tag warm und satt und geduscht vor dem TV sitze, in meiner gediegenen Mietwohnung über den Dächern der Stadt, und ohnehin jeder Verbesserungsvorschlag als eine Art Vorhaltung angesehen wird; es gibt viele Frauen, da wundert man sich solange über die fast unbrechbare Kraft für all die Gschaftlhubereien, bis man ahnt: das brauchen die. Das machen die sich selbst. Die machen es sich überhaupt immer lieber selbst. All die tausend aufgemachten Baustellen, die immer als Argument herhalten können, warum nicht eins zuende gebracht wird. Die wollen Hilfe nur, um wieder grinsend feststellen zu können: siehste. Du auch nicht. Und ich ärgere mich bis zum Schwarzwerden, wenn ich das doofe Spiel wieder zu spät erkenne: die spielen gerne "Tumult" und die spielen gerne "ich habe keine Ärmchen" und "Macht den Sieger unter euch aus".
Nichts wissen wollen ist schlimmer, als nicht wissen.
Wer sich beim Treppeputzen nichtmal umdreht, der kann dann auch den Kindsvater nicht benennen.
Also: mich in Gespräche verwickeln über Alltagsprobleme, die ich nicht verantworte und die ich nicht beseitigen kann, bitte nicht.

Und wieder erkenne ich, dass ich die Lektion "Aktives Zuhören" repetieren muss; "Du Arme!" sagen oder "Das ist ja sicher jetzt ein ganz schwerer Moment" oder "Wie kann ich Dir helfend ein Stück weit entgegenkommen?" oder auch nur "Mhh, Mhh" - aber auf keinen Fall mit dem inneren oder faktisch präsenten Werkzeugkasten kommen und gute Tips oder die helfende Hand reichen! Dann ist das Problem weg! Und dann muss ein neues Problem konstruiert werden! Und das ist nicht okay! Also: mitten in den Sermon 'reinschnaufen, ab und zu einen kleinen Schrei ausstossen, als hätte die Wärmflasche auf dem Schoß den Hoden touchiert und dabei den eigenen Einkaufszettel schreiben.
Und wenn Sie nicht wissen, wie das geht, setzen Sie sich ins Cafe und beobachten drei junge Frauen beim Smalltalk: alle reden gleichzeitig und ununterbrochen, eine wechselt dabei eine Windel, die so stinkt, dass Ihnen die Mitesser aus dem Rücken fliegen, zwei telefonieren parallel und würgen ihre Kinder (Leon, Mia), alle befeuchten ab und zu den Daumen und wischen einem Balg den Erbgrind aus den Faulecken, nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei, die Damen rauschen vondannen, selbst Sie wissen nicht, worum es ging, und abends müssen sich die Männer zu Hause das ganz von vorne anhören; jetzt sieht die Statistik von der durchschnittlichen Ehedauer in Deutschland schon nachvollziehbarer aus, gell?

Und wieder gratuliere ich mir, dass ich vor Jahrzehnten schon meinem Steuerberater widerstanden habe, der mir Single ein Familienhaus aufschwatzen wollte, und ich gratuliere mir dazu auch immer, wenn ich mitbekomme, welchen Ärger aufsässige Mieter veranstalten können, die ohne die geringsten Konsequenzen nomadenhaft durch die anschließend verrotteten Wohnungen ziehen, welche Kosten anfallen, wenn mal eben eine Heizungspumpe gewechselt werden muss oder dergleichen.
Nicht wirklich freier Eigentümer zu sein in seiner Immobilie, weil man zig Vollpfosten in ein, zwei Wohneinheiten unterbringen muss, um finanzieren zu können und dann denen auch noch den Müll 'rausstellen müssen, das brauche ich nicht.

Schwere Träume im Halbschlaf voller Konflikte, das Gefühl, im Grunde genommen schon hinter der Zeit zurückzuhängen, weil ich immer noch ein ungenutztes Nakamichi-Tape-Deck 'rumstehen habe und zum Jahresanfang niemand mehr Kassetten produzieren wird; soll ich fünfmal im Leben sämtliche Tonträger wechseln, inklusive Hardware?
Lieber im TV zum fünften Mal einen amerikanischen Actionkrimi angesehen.

Tagsüber ab und zu ein paar Kapitel der Steve-Jobs-Biografie gelesen und zunehmend sauer geworden: alle zehn Seiten heult jemand, bricht in Tränen aus, läuft schmollend aus einem Zimmer - die ganze neurotische Scheisse, die ja sicher jeder aus dem eigenen Büro kennt. Steve Jobs wird überwiegend dargestellt als schwerst gestörte Persönlichkeit, die alle anderen Menschen kujoniert; ein Vegetarier, der sich nie wäscht und nach Schweiss riechend sein Umfeld verpestet. Und wenn ich eins nicht ertragen kann, dann sind das Menschen, die - egal, aus welchen Gründen - penetrant nach Mensch riechen.
Vom teilweise genialen und erfinderischen Denker, vom designorientierten Ästheten lese ich wenig - wo ist der Mann, der einen sehr erfolgreichen Weltkonzern geschaffen hat?
Die Biografie liest sich so, als hätten all die kleinen Wadenbeisser, die zu blöde sind, eine Schraube einzudrehen, nach seinem Tod nachgekartet
Ein nicht empfehlenswertes Buch, perfide und langweilig.

Wenn ich morgens so in den SPON sehe, habe ich in den letzten Tagen immer den Eindruck, dass mir die Satire-Version dieses Mediums untergeschoben wird, sei es beim Thema Wulff und wie er die Welt sah oder bei den 150-Euro-Übernachtungen bei Frau Schausten (ähh: gewerblich ...?)
Zum GröPaZ ist wohl nicht mehr viel zu sagen: Deutschland wird offenbar gerne repräsentiert vom Typ verdruckster Sparkassen-Angestellter, und ich denke, dann hat Deutschland auch nichts besseres verdient.
Und wenn ich darüber nachdenke, dass die CSU auch den anderen Bubi, diesen gegeelten Dr-von-und-zu-Betrüger, baldmöglichst wieder politisch aktiv sehen möchte, dann wird mir klar, dass meine Mitbürger offenbar in unstillbarer Subordinationswollust geil darauf sind, von Nieten in Nadelstreifen düpiert zu werden.
Da bin ich schon froh, dass Oskar Lafontaine lieber eine gelenkige Kommunistin bespringt, als politisch überzuschäumen.

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Mittwoch, 4. Januar 2012
Der mit den Wulffs tanzt

Die Filmindustrie hat auch schon zugeschlagen.
Das
Poster zum Film.
Oder hier:*gröl*
Wulff, der GröPaZ (Größter Präsident aller Zeiten)

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wir sind das Net!

die halbe Weblog-Szene ist zertwittert; wer noch schreibt von den Leuten, die vor zehn, elf Jahren das Internet eher als Medium der Kommunikation, als als zusätzlich Einkaufsmöglichkeit gesehen hatten, schreibt etwas betreten, vor allem selten und so, als ob man mit 45 erwachsen wäre.
freitagsfish sollte wieder schreiben, malorama öfter.
Zum Beispiel.
Oder sollen wir alles den Kindern überlassen?

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Montag, 2. Januar 2012
wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand

man wird reich durch hohe Einnahmen (z.B. Jahresgrundgehalt von ca. € 200.000.-) oder durch geringe Ausgaben (z.B. spottbillige Kredite).
Herr Wulff kann beides.
Ein Mann, ein Wort (zuviel), ein Aal, ein Lachschlager.
[Don Wulff kratzt sich mit der Rückseite der Fingerspitzen unter dem Kinn und spricht heiser mit dem zitternden Reporter vor ihm: "ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst - oder du wirst bei den Fischen ruhen!"]

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Sonntag, 1. Januar 2012
Christmas carol

es ist ja schick, nach den Weihnachtsorgien in Gestöhne über die Familienopfertage zu verfallen, und deshalb will ich nicht hintanstehen.
Es war sehr anstrengend: das Kartenspiel "Lügen" spielen, von den ersten Schlägen einer flammneuen Wii-Fernbedienung fast den Unterarm abgerissen bekommen (es gibt wirklich und wahrhaftig nichts Blöderes auf der ganzen weiten Welt, als diese Videogames), täglich drei Stunden Walking absolviert, nur um einem Chaos von schlecht regulierter Heizung, defektem Licht, unangesagten häuslichen Vorglüh-Feten, anonymen Anrufen um 5:30 Uhr früh und einem absoluten Mangel an Platz unter mehrschichtig aufbewahrtem Verpackungsmaterial zu entgehen.
Im Hintergrund das Schlimmste: dass man in der Kleinstadt, aus der ich nach mühseligen fünf Tagen am Rande eines Nervenzusammenbruches geflohen bin, ungewollt und trotz sorgfältiger Auswahl diverser Umgehungsstrecken mit den Urhebern reichen Kindersegens und noch reichhaltigeren gegenseitigen Betrügereien und den jeweiligen neuen Partnern zusammenstösst und das lächerliche Ritual geflissentlichen Nichtgegrüsstwerdens hautnah mitbekommt, das diese Spießer so draufhaben, die sich im Landadel verpuppt haben und keine Gelegenheit auslassen, ihre infantilen und subtilen Piesack-Manöver unablässig gegen Gott und alle Welt zu richten.
Auch das eine böse Parallele zu den Erinnerungen meiner Kindheit.
Widerliches Pack.
Wie schade, möchte man denken, dass über die Feiertage nur dieser steinalte holländische Kollaborateur das Zeitliche gesegnet hat.

Die Nacht aufs neue Jahr dagegen ganz gut verbracht, mit Raclette feinster Güte und Menschen, mit denen ein halbes Leben Europatrips als Teenager verbindet und zehntausend Anekdoten, die nichts mit Sex, Lies and Videotape zu tun haben.
We discovered Europe in two weeks and the sky was the limit.

Im Dauer-Nieselregen, der seit Tagen anhält, verliert sich die Erinnerung und langsam breiten sich Überlastungsschmerzen in allen Sakralgelenken und eine halbherzige Erschöpfungsdepression unter der Schädeldecke aus, wie langsam wachsende Schimmelpilze.

Später 'Der seltsame Fall des Benjamin Button' gesehen und gegen Ende geheult, wie ein Schlosshund, mit auf die Augen gepressten Händen und dem Gefühl der Auflösung in der Brust, was weiß ich, warum.

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Mittwoch, 21. Dezember 2011
hang on to a dream

das Gespräch mit Dir.
Ich hatte gefürchtet, in Deiner Attraktivität zu ertrinken, die Fassung zu verlieren. In Erotik zu schwelgen, wo es mir eigentlich um anderes ging. Sprühende Debatten zu führen, mit Neckerei und kindlichen Zuweisungen. Du hast damals. Ich habe nie.
So ruhig und so distanziert bin ich dann geblieben, dass es mich fast erschreckt hat; der, der noch vor Jahren mit einer einzigen Bemerkung fast zur Raserei gebracht werden konnte, hat seine Gefühle in Glas geschmolzen.
Du bist längst wieder liiert, Du fährst jetzt das Luxus-Cabrio, das Du immer haben wolltest, Du wohnst sogar mit neuem Partner und altem Cabrio unter einem Dach. Du gehst auf volles Risiko, denn Sicherheit wird es dort niemals geben, zu viel Vorgeschichte und zu wenig finanzielle Absicherung, viel zu wenig soziale Integration, leben von Tag zu Tag und der Hand im Mund.
Du beklagst das, und Du beklagst die Langeweile, die die Freizeit füllt; zu keiner Unternehmung sich aufraffen können, keine Lust und kaum die finanzielle Ausstattung für ein Leben. Die Koffer hattest Du schon gepackt, vor Wochen; und bist dann doch darauf sitzen geblieben.
Mit mir konnte man lachen, erinnerst Du Dich und mich! Leben, lieben, lange Wege und kurzweilige Unterhaltung, Wein, Weib und Gesang, mit vollem Mund streiten, laut sein und sanftes Zirpen.
Nein, Du bist nicht zufrieden. Wieder nicht.
Niemand ist böse oder unerträglich, niemand ist verletzend oder streitlustig; es ist geronnenes Leben; Du bekommst keine Luft, Deine Worte gehen ins Nichts.
Vieles anders machen würdest Du heute, hättest einiges längst verstanden, was Dir damals als Zumutung vorgekommen ist; jetzt müsstest Du selbst Rollen spielen, die Du damals bei mir belächelt hast.
Ich werde noch stiller, lasse Dich wirken und sage Dir, was ich ernst meine: Du bist eine der schönsten Frauen, die ich kenne; Du bist, nach Jahren frustrierender Einsamkeit in einer Gemeinschaft aus Kälte und Asche, meine Erweckerin gewesen, in Deinen Armen, Deinen Atem an meinem Ohr, Deinen Duft in meiner Nase, bin ich wieder Mann geworden, Liebhaber geworden, auferstanden. Und ich bedanke mich, dass Du mir meine Haut und Sinne und Lust zurück gegeben hast.
Und während ich das ruhig sage, bittest Du mich um Verzeihung, dass Du mich belogen und hintergangen hast, sag' doch: wirklich gehasst hast Du mich doch nie?!
Nein, ich habe Dich geliebt.
Einige Monate Crescendo und wenige Momente des inneren Zusammenbruchs Deines Götterbildes in mir, nachdem ich dahinter gekommen war.
Kein Hass. Kühle Vorsicht.
Und langsam macht sich bleierne Müdigkeit hinter meinen Augen breit, ich suche nach Worten, ich möchte mich selbst beschwören, vergeblich.
Ich weiß eigentlich nichts mehr, was ich Dir sagen könnte.
Ich habe mit Dir und bei Dir und später ganz auf eigene Faust in den Dating-Höllen Leute getroffen, gegen die Du geradezu bürgerlich-konservativ-gehemmt wirkst, eine kleine Sünderin, kaum erkennbar vor dem obszönen, destruktiven, schäumenden und sich windenden Berg beschädigter Geister, die sich auf den Haufen werfen.
Es sei schade, dass ich Werte über Bord geworfen habe, sagst Du.
Kann sein. Kann sein, dass ich, naiv aufrechnend, nun zur Erkenntnis gekommen bin, dass es für Treue, Tapferkeit und Glaube, für Fairness und klare Kanten keine Belohnung gibt. Und für das Gegenteil auch längst keine Sanktionen mehr.
Alles ist einmal, und einmal ist keinmal.
Quod licet Jovi, non licet bovi.
Jupiter warst Du nie - und ich bin kein Ochse mehr.

Später in der Dunkelheit suche ich nach den Gefühlen, von denen ich meinte, dass sie nun in mir sein müssten; kaum überraschend sind keine mehr da, die ich mit Dir und unserem Wir verbinden könnte, nur eine sanfte, leise Traurigkeit, ein Bedauern, wie man es bei jeder vertanen Chance spürt.

Deine SMS kommt wenige Tage später; Du bist berührt, Du möchtest das Gespräch fortsetzen, willst wissen, wie es mir danach geht.
Und ich warte und schweige und dann schreibe ich Dir, dass ich weit voraus an allen Wochenden unerreichbar bin, Termine bis in den Abend habe, ja, eigentlich ganz zufrieden sei.
Und ich wünsche Dir frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr, so, wie man das jemand schreibt, dem man nicht böse ist.
Und Du antwortest, dass Du verstanden hast.

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UNTERTITEL
si tacuisses,
philosophus mansisses


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